Die Neuauflage beginnt mit vertauschten Rollen
2021 gewann Leopold Astner die Bürgermeister-Stichwahl mit 51,1 Prozent gegen Siegfried Ronacher, der 48,9 Prozent erreichte. Der Abstand war klein, die Rollen waren klar: Ronacher trat als langjähriger SPÖ-Bürgermeister an, Astner als ÖVP-Herausforderer.
2027 kommt es voraussichtlich zur Neuauflage mit vertauschten Vorzeichen. Astner hat seine erneute Kandidatur bestätigt und verteidigt nun als Amtsinhaber seine Bilanz. Die SPÖ nominierte Ronacher einstimmig und setzt damit auf Erfahrung, Bekanntheit und die Hoffnung, dass das äußerst knappe Ergebnis von 2021 umkehrbar ist.
Astner kann auf Amtsbonus, laufende Projekte und die Sichtbarkeit des Bürgermeisteramts bauen. Ronacher verfügt über ein starkes persönliches Netzwerk und die größte Fraktion im Gemeinderat. Das macht die Wahl erneut offen, obwohl der amtierende Bürgermeister aus der besseren Ausgangsposition startet.
Die SPÖ führt den Gemeinderat – die ÖVP das Rathaus
Bei der Gemeinderatswahl 2021 erreichte die SPÖ 43,63 Prozent und zwölf der 27 Mandate. Die ÖVP kam mit 33,43 Prozent auf neun Sitze, TILL mit 12,85 Prozent auf drei und die FPÖ mit 10,09 Prozent ebenfalls auf drei Mandate. Die absolute Mehrheit liegt bei 14 Sitzen.
Die formale Stärke der FPÖ hat sich seither verändert. Christina Ball verließ die Partei im Dezember 2021 und blieb als unabhängige Mandatarin im Gemeinderat. Im aktuellen Verzeichnis werden deshalb zwei FPÖ-Mandatare und Ball als Unabhängige geführt. Eine einheitliche freiheitliche Dreierfraktion besteht nicht mehr.
Die Mehrheitsarithmetik ist trotzdem beweglich. SPÖ und TILL verfügen gemeinsam über 15 Mandate. SPÖ und die beiden FPÖ-Mandatare kämen auf 14. ÖVP, TILL und FPÖ erreichen ebenfalls 14 Sitze. In anderen Konstellationen kann auch Balls unabhängige Stimme ausschlaggebend werden. Diese Verbindungen sind rechnerische Optionen, keine belegten Koalitionen.
Die Gemeinde ist zugleich weniger konfliktgeladen, als diese Zahlen vermuten lassen. Der Voranschlag 2026 wurde im Gemeinderat einstimmig mit 27 zu null beschlossen. Für Astner ist das ein Beleg für Stabilität. Für Ronacher entsteht daraus die Aufgabe, eine politische Alternative zu formulieren, ohne die gemeinsam getragenen Entscheidungen nachträglich zu verleugnen.
Der FPÖ-Aufwind ist real – aber bisher nicht kommunal
Der auffälligste politische Trend liegt außerhalb des Gemeinderats. Bei der Nationalratswahl 2024 wurde die FPÖ in Hermagor-Pressegger See mit 30,6 Prozent stärkste Partei. Gegenüber 2019 gewann sie 12,5 Prozentpunkte hinzu. Die ÖVP fiel um 10,4 Punkte auf 27,6 Prozent, die SPÖ um 3,9 Punkte auf 25,3 Prozent.
Schon bei der Kärntner Landtagswahl 2023 erreichte die FPÖ 17,04 Prozent. Die SPÖ blieb mit 44,53 Prozent klar vorne, die ÖVP kam auf 22,18 Prozent und Team Kärnten auf 10,58 Prozent. Der eigentliche Sprung erfolgte damit bei der Bundeswahl – und er traf vor allem die ÖVP, deren kommunale Führungsposition dadurch politisch stärker unter Druck gerät.
Zwischen bundespolitischem Potenzial und kommunaler Verankerung liegt jedoch eine große Lücke. Im Gemeinderat hält die FPÖ nach Balls Austritt nur zwei eigene Mandate, im Gemeindevorstand ist sie nicht vertreten, und eine Spitzenkandidatur für 2027 ist bislang nicht öffentlich festgelegt. Das Nationalratswahlergebnis ist deshalb keine Prognose für die Gemeinderatswahl.
Findet die FPÖ eine bekannte, kommunal verankerte Person, könnte sie die erste Runde der Bürgermeisterwahl und die Mandatsverteilung deutlich verändern. Bleibt die personelle Aufstellung schwach, dürfte ein beträchtlicher Teil ihres bundespolitischen Potenzials erneut bei Astner, Ronacher oder einer Gemeindeliste landen. Aus den veröffentlichten Ergebnissen lässt sich nicht seriös ableiten, aus welchem Lager diese Stimmen im Einzelnen kommen.
TILL greift in das rote Lager
TILL verfügt über drei Mandate und ist mit Karl Tillian im Gemeindevorstand vertreten. Für 2027 gewinnt die Liste zusätzlich an Gewicht: Zwei frühere SPÖ-Stadträte sollen für TILL kandidieren. Damit entsteht Konkurrenz nicht nur zwischen den großen Parteien, sondern auch innerhalb des früheren roten Personals.
Das trifft Ronacher unmittelbar. Er muss frühere SPÖ-Wähler zurückholen und gleichzeitig verhindern, dass die Auseinandersetzung mit TILL den Anspruch auf das Bürgermeisteramt überlagert. Astner kann von einer geteilten Opposition profitieren, solange seine eigene ÖVP-Liste geschlossen bleibt.
Astner setzt auf Projekte, Ronacher auf den Eindruck des Stillstands
Astner verweist auf sichtbare Vorhaben: den Umbau des früheren Essl-Gebäudes, Investitionen in das Strandbad, das Feuerwehrhaus in Rattendorf und weitere kommunale Projekte. Seine Linie lautet, dass die Gemeinde trotz angespannter Rahmenbedingungen handlungsfähig bleibt.
Ronacher setzt dagegen auf den Eindruck, dass zentrale Entscheidungen zu langsam fallen. Besonders das Strandbad, die Volksschule Egg und offene Entwicklungsfragen eignen sich für diese Erzählung. Damit sie trägt, muss die SPÖ aber zeigen, was sie anders priorisieren und finanzieren würde. Der Verweis auf Stillstand allein reicht in einem Gemeinderat, der wichtige Beschlüsse einstimmig fasst, nicht aus.
Befund
Leopold Astner geht als Amtsinhaber und bestätigter Kandidat mit einem Vorsprung in die Wahlvorbereitung. Siegfried Ronacher bleibt wegen des knappen Ergebnisses von 2021, seiner Bekanntheit und der zwölf SPÖ-Mandate ein glaubwürdiger Herausforderer. Die Neuauflage ist deshalb kein symbolischer Rückkampf, sondern ein reales Duell um das Rathaus.
Die Ausgangslage ist aber unübersichtlicher als 2021. TILL zieht Personal aus dem SPÖ-Umfeld an. Die FPÖ besitzt ein stark gewachsenes Wählerpotenzial, hat dieses kommunal jedoch noch nicht in Organisation, Mandate und eine Spitzenperson übersetzt. Genau diese Lücke entscheidet darüber, ob 2027 wieder ein enges Zweierduell entsteht oder ein breiteres Konkurrenzfeld.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wer das Duell zwischen Astner und Ronacher gewinnt. Entscheidend ist auch, ob die FPÖ ihr bundespolitisches Potenzial erstmals in eine kommunal glaubwürdige Kandidatur übersetzen kann.
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