Kaufmann regiert mit Mehrheit, aber ohne alte ÖVP-Dominanz

Bürgermeister Christoph Kaufmann (Team Kaufmann – VP Klosterneuburg, ÖVP-nahe Liste) führt eine Stadt, in der die Volkspartei stärkste Kraft bleibt, ihre frühere Vormachtstellung aber zunehmend auf Zusammenarbeit angewiesen ist. Kaufmann ist seit Jänner 2024 Bürgermeister und zugleich niederösterreichischer Landtagsabgeordneter. Seine landespolitische Verankerung eröffnet Zugänge, schafft aber auch die Erwartung, daraus konkrete Vorteile für die Stadt zu erreichen.

Die Gemeinderatswahl 2025 brachte seiner Liste 17 von 41 Mandaten. Für eine eigene Mehrheit wären 21 erforderlich. Mit den fünf NEOS-Mandaten verfügt die fortgesetzte „Zukunftspartnerschaft“ über 22 Sitze. Die übrigen vier Fraktionen kommen zusammen auf 19. Eine Ablöse der Rathausführung wäre mit dieser Zusammensetzung deshalb nur durch Veränderungen innerhalb des Regierungslagers möglich.

Partei / Liste2020: Anteil / Mandate2025: Anteil / MandateVeränderung
VP Klosterneuburg, ÖVP-nahe Liste42,69 % / 1838,72 % / 17−3,97 Pp. / −1
Grüne – Bürgerunion, Grünen-nahe Liste21,08 % / 914,62 % / 6−6,46 Pp. / −3
NEOS7,34 % / 312,02 % / 5+4,68 Pp. / +2
FPÖ6,02 % / 212,02 % / 5+6,00 Pp. / +3
SPÖ10,33 % / 411,34 % / 4+1,01 Pp. / ±0
Plattform Unser Klosterneuburg, Bürgerliste10,22 % / 49,18 % / 4−1,04 Pp. / ±0
Liste Peter Hofbauer2,32 % / 12,10 % / 0−0,22 Pp. / −1

Maßgeblich ist das endgültige Ergebnis nach der Wiederholung im Wahlsprengel 28 am 18. Mai 2025. Die Mandatsverteilung gegenüber der Jännerwahl blieb unverändert. Die laufende Gemeinderatsperiode reicht bis 2030; der Bürgermeister wird in Niederösterreich vom Gemeinderat gewählt.

Politisch steht daher die Umsetzung im Mittelpunkt. Kaufmann muss zeigen, dass die Zusammenarbeit mit NEOS mehr hervorbringt als eine abgesicherte Mehrheit. Je stärker finanzielle Einschränkungen im Alltag spürbar werden, desto wichtiger wird eine nachvollziehbare Entscheidung darüber, welche Leistungen geschützt, welche Investitionen vorgezogen und welche Vorhaben verschoben werden.

NEOS sind stärker geworden – und tragen mehr Verantwortung

Clemens Ableidinger (NEOS) ist Stadtrat und Mitglied des niederösterreichischen Landesteams. Mit Christian Schwarz (NEOS), Christiane Karg (NEOS), Matthias Glöckl (NEOS) und Pia Schwarz (NEOS) steht ihm eine fünfköpfige Gemeinderatsfraktion zur Seite. Die Partei besitzt damit eine kommunale Mannschaft, die ihren Wahlerfolg in eigene politische Arbeit übersetzen kann.

Für NEOS entsteht daraus eine anspruchsvolle Rolle. Sie ermöglichen der ÖVP das Weiterregieren, müssen aber zugleich erkennbar machen, welche Entscheidungen ohne sie anders ausfallen würden. Begrünung, Familieninfrastruktur, öffentliche Räume und eine einfachere Verwaltung bieten dafür konkrete Ansatzpunkte.

Das gemeinsame Arbeitsprogramm verbindet Konsolidierung mit Bildung, Stadtentwicklung und wirtschaftlicher Entwicklung. Es sieht unter anderem Betriebsansiedlungen zur Stärkung der Kommunalsteuer und eine Überprüfung der Förderungen vor. Diese Vorhaben werden politisch erst dann belastbar, wenn Ergebnisse, Kosten und Folgen sichtbar werden.

NEOS können sich deshalb weder auf ihre Rolle als Mehrheitsbeschaffer noch auf allgemeine Erneuerungsversprechen beschränken. Ihr eigener Beitrag muss im gemeinsamen Regierungshandeln erkennbar bleiben. Gleichzeitig tragen sie dessen Belastungen mit.

Der Haushalt macht Verteilung zur politischen Frage

Finanzstadtrat Konrad Eckl (Team Kaufmann – VP Klosterneuburg, ÖVP-nahe Liste) verantwortet einen Haushalt mit erheblichem Druck. Der beschlossene Voranschlag 2026 sieht rund 98,3 Millionen Euro Erträge und 99,8 Millionen Euro Aufwendungen vor. Das geplante negative Nettoergebnis von rund 1,48 Millionen Euro soll durch Rücklagen ausgeglichen werden. Der Schuldenstand wird für Ende 2026 mit rund 59 Millionen Euro veranschlagt; im Rechnungsabschluss 2024 lag er bei rund 40,9 Millionen Euro. Das sind Planwerte für 2026, keine bereits feststehenden Jahresergebnisse.

Rücklagen ermöglichen, Belastungen aufzufangen. Sie beantworten aber noch nicht, wie laufende Leistungen dauerhaft finanziert werden. Zugleich sind Investitionen in Kinderbetreuung, Wasserversorgung und den Wirtschaftshof Aufgaben, deren Verschiebung ebenfalls Folgen hätte.

Die Stadtregierung muss deshalb erklären, welche Ausgaben notwendig sind, welche Investitionen spätere Kosten vermeiden und wo Einsparungen tatsächlich vertretbar sind. Eine pauschale Botschaft, dass überall gespart werden müsse, würde diese Unterschiede verdecken.

Auch die Opposition steht vor einer Entscheidung: Wer Kürzungen kritisiert und zusätzliche Leistungen fordert, muss Prioritäten und Finanzierung benennen. Die Haushaltslage bietet Angriffsmöglichkeiten, verlangt aber ebenso ein eigenes Angebot.

Das Pionierviertel wird zum Prüfstein der Stadtentwicklung

Auf dem ehemaligen Areal der Magdeburg-Kaserne sollen Bildung, Wohnen, Forschung und Wirtschaft miteinander verbunden werden. Die im September 2026 vorgestellte Zukunftsvision umfasst einen möglichen Bildungscampus und zusätzlichen Wohnraum. Für den Standort des Privatgymnasiums berichtet die Stadt bereits von abgesicherter Finanzierung durch Bund und Land. Weitere Nutzungen befinden sich in der Planung. Als nächster Verfahrensschritt wurde eine UVP-Einzelfallprüfung angekündigt.

Vizebürgermeisterin Maria Theresia Eder (Team Kaufmann – VP Klosterneuburg, ÖVP-nahe Liste) steht dabei für die Bildungsentwicklung. Johannes Edtmayer (Grüne Klosterneuburg – Bürgerunion, Grünen-nahe Liste) bringt als Vorsitzender des Planungsausschusses die Perspektive der Mobilität und Stadtplanung ein. Die gemeinsame Präsentation zeigt, dass bei diesem Vorhaben Zusammenarbeit über die Regierungskoalition hinaus möglich ist.

Die politische Aufgabe liegt in der verbindlichen Ausgestaltung. Wenn Wohnraum für die nächste Generation versprochen wird, müssen Leistbarkeit, Vergabe und tatsächliche Zielgruppen geklärt werden. Wenn die Bahnhofsnähe zusätzlichen Autoverkehr begrenzen soll, braucht es belastbare Verkehrsplanung. Auch Hochwasserschutz und Folgekosten gehören zur Bewertung.

Das Pionierviertel eröffnet Kaufmann die Möglichkeit, seine Amtsführung mit einem langfristigen Entwicklungsvorhaben zu verbinden. Gerade deshalb sollte der öffentliche Nutzen früh nachvollziehbar werden. Eine überzeugende Vision braucht überprüfbare Bedingungen, bevor daraus weitreichende Entscheidungen entstehen.

Die Grünen müssen Mitgestaltung und Gegenkraft verbinden

Die Grünen verloren 2025 drei ihrer neun Mandate, bleiben aber mit sechs Sitzen die stärkste Oppositionsfraktion. Ihre Aufgabe besteht darin, aus dieser Stellung erneut politische Wirkung zu entwickeln.

Edtmayer und Stadtrat Christoph Stattin (Grüne Klosterneuburg – Bürgerunion, Grünen-nahe Liste) verfügen über kommunale Funktionen und fachliche Ansatzpunkte. Ihre Mitwirkung am Pionierviertel zeigt Gestaltungsbereitschaft. Gleichzeitig kritisieren sie die vorgesehene Übertragung von Aufgaben des öffentlichen Verkehrs an die NÖVOG. Sie befürchten geringeren kommunalen Einfluss und unzureichende Möglichkeiten für einen elektrischen Stadtbusverkehr.

Darin liegt ein politisch brauchbares Profil: Vorhaben mitgestalten und zugleich benennen, welche Bedingungen aus ihrer Sicht fehlen. Der Nutzen muss aber über die eigene Stammwählerschaft hinaus verständlich werden. Leisere Busse, verlässliche Verbindungen, sichere Wege und geschützte Grünräume betreffen den Alltag unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.

Die Grünen brauchen deshalb eine Verbindung zwischen fachlicher Kompetenz und sichtbarer Verbesserung. Ihre Stärke als Kontrollkraft allein ersetzt den verlorenen Rückhalt nicht.

Die FPÖ hat zugelegt, aber noch keinen Mehrheitsweg

Josef Pitschko (FPÖ) ist Stadtrat, Ortsgruppenobmann und Vorsitzender des Rechtsausschusses. Mit Susanne Eistert (FPÖ) als stellvertretender Ortsgruppenobfrau und einer fünfköpfigen Ratsfraktion verfügt die Partei über eine nachweisbare örtliche Organisation.

Ihr Zugewinn von zwei auf fünf Mandate verändert die Konkurrenz. Er macht sie aber noch nicht zur führenden Alternative für das Rathaus. Selbst gemeinsam mit der ÖVP käme sie derzeit auf dieselben 22 Sitze wie die bestehende Regierungskoalition. Ein solcher Mehrheitsweg würde eine politische Entscheidung der Volkspartei voraussetzen.

Das Umfeld kann der FPÖ zusätzlichen Rückenwind geben. Eine IFDD-Erhebung im Auftrag des ORF Niederösterreich, durchgeführt Ende Juli und Anfang August 2026, sah die ÖVP landesweit bei 35 und die FPÖ bei 30 Prozent. Diese Werte beschreiben Landespolitik und lassen sich nicht auf die Gemeinderatswahl übertragen. Sie zeigen aber den Wettbewerbsdruck, unter dem auch die örtliche Volkspartei steht.

Für weitere kommunale Stärke müsste die FPÖ Unzufriedenheit mit Gebühren, Verkehr oder Verwaltung mit konkreten Lösungen und zusätzlichem Personal verbinden. Landespolitischer Aufschwung schafft Aufmerksamkeit; Verantwortung für die gesamte Stadt verlangt mehr.

SPÖ und PUK brauchen unterschiedliche Wege zu mehr Einfluss

Karl Schmid-Wilches (SPÖ) vertritt eine Fraktion mit vier Mandaten. Mit Erich Deim (SPÖ), Fiona Schindl (SPÖ) und Susanne Selkmann (SPÖ) besitzt die Partei eine kommunale Mannschaft. Ihr leichter Stimmenzuwachs brachte 2025 jedoch keinen zusätzlichen Sitz. Schmid-Wilches arbeitet unter anderem im Ausschuss für Mobilität und Tiefbau.

Die SPÖ kann sich bei Leistbarkeit, Betreuung, sozialen Leistungen und den Folgen der Konsolidierung profilieren. Dafür muss sie deutlich machen, welche Belastungen sie begrenzen und welche Leistungen sie vorrangig sichern würde. Allgemeine Kritik an Schwarz-Pink reicht angesichts der Konkurrenz im Gemeinderat nicht aus.

Stefan Hehberger (Plattform Unser Klosterneuburg – PUK, Bürgerliste) steht mit Ulrike Kobrna (PUK), Matthias Finkentey (PUK) und Wolfgang Haas (PUK) ebenfalls für vier Mandate. Die Liste besitzt ein eigenes kommunales Profil bei Mobilität, Stadtentwicklung und Umweltfragen. Eine Nähe zu einer Landtagspartei ist durch die geprüften Angaben nicht gesichert.

Die PUK greift konkrete Konflikte auf: Wasserversorgung, Bahnverbindungen, Grünlandbebauung und Energiegemeinschaften. Im Oktober fordert sie dauerhafte REX-Direktverbindungen nach Tulln und Krems. Ihre Chance liegt darin, fachliche Kritik mit praktisch erreichbaren Verbesserungen zu verbinden.

SPÖ und PUK können so Einfluss gewinnen, ohne dieselbe Rolle einzunehmen: die SPÖ über soziale Prioritäten, die PUK über konkrete Eingriffe in Planung und Infrastruktur.

Die Wahlkette zeigt ein breites Konkurrenzfeld

Die übergeordneten Wahlen bestätigen, dass neben der ÖVP mehrere Kräfte relevante Wählergruppen erreichen.

ParteiLandtagswahl 2023Europawahl 2024Nationalratswahl 2024
ÖVP42,23 %26,4 %30,60 %
SPÖ14,61 %18,2 %16,96 %
FPÖ12,53 %15,3 %17,00 %
Grüne16,06 %15,9 %12,56 %
NEOS13,22 %19,4 %17,10 %

Gemeindeweise ausgewiesene amtliche Ergebnisse; unterschiedliche Wahlen und Wahlberechtigtenkreise.

NEOS, SPÖ und FPÖ erreichten bei der Nationalratswahl höhere Anteile als ihre kommunalen Listen 2025. Die Volkspartei behauptete örtlich dagegen eine stärkere Stellung. Daraus lässt sich zusätzliche Konkurrenz ableiten, aber keine konkrete Wählerwanderung oder Prognose für 2030.

Infrastruktur entscheidet über Vertrauen

Klosterneuburg hatte Anfang 2026 rund 28.150 Einwohner. Fast 8.900 waren mindestens 60 Jahre alt. Die amtlichen Pendlerdaten weisen für 2021 rund 8.600 Auspendler aus. Diese Struktur erklärt, weshalb Betreuung, erreichbare Dienstleistungen und verlässliche Verkehrsverbindungen politisch erhebliches Gewicht besitzen.

Auch Wasser wurde 2026 zu einem konkreten Thema. Im Juni eröffnete die Stadt einen zusätzlichen Brunnen in der Kritzendorfer Au. Im August bat sie wegen Trockenheit und erhöhten Verbrauchs um sparsamen Umgang mit Trinkwasser. Investition und Sparaufruf widersprechen sich nicht automatisch; die Bevölkerung braucht aber nachvollziehbare Informationen über Belastbarkeit und Vorsorge.

Hier wird sich die politische Wahrnehmung der Amtsperiode verdichten: bei funktionierender Infrastruktur, bewältigten Belastungen und verständlichen Entscheidungen. Große Entwicklungsvorhaben und alltägliche Verlässlichkeit müssen zusammenpassen.

Politischer Befund

Kaufmann führt eine handlungsfähige ÖVP-NEOS-Mehrheit bis 2030. Deren Rückhalt hängt zunehmend davon ab, ob Konsolidierung nachvollziehbar bleibt und Stadtentwicklung konkrete Vorteile bringt. Die Opposition ist vielfältig, bildet aber kein geschlossenes Gegenlager. Sie kann die Regierung bei einzelnen Themen herausfordern und zugleich an Lösungen mitwirken.

Die ÖVP muss ihre Führungsstellung durch Ergebnisse festigen, NEOS ihren eigenen Beitrag zur Zusammenarbeit sichtbar machen. Die Grünen brauchen eine Verbindung aus Mitgestaltung und wirksamer Kontrolle, die FPÖ ein kommunales Angebot über den Aufschwung hinaus. SPÖ und PUK können über soziale Prioritäten beziehungsweise konkrete Infrastrukturfragen stärker werden. Entscheidend ist, wem die Bevölkerung zutraut, finanzielle Grenzen fair zu bewältigen und die Lebensqualität dauerhaft zu sichern.

Was bedeutet dieser Befund für Ihre Organisation?

Wir vertiefen die Lage vertraulich für Ihre konkrete politische Ausgangssituation.

Vertrauliche Vertiefung anfragen