Velden ist auf dem Papier weiterhin eine rote Gemeinde. Politisch ist die Lage weniger eindeutig. Die SPÖ verfügt über eine absolute Mehrheit, doch jene Person, die sie 2021 gewonnen hat, ist nicht mehr im Amt. Zugleich liegt die FPÖ bei Europa- und Nationalratswahlen inzwischen deutlich vor der SPÖ. Die Wahl 2027 wird deshalb zur Frage, ob sich eine starke kommunale Mehrheit ohne ihren langjährigen Bürgermeister übertragen lässt.

Die Mehrheit stammt noch aus der Ära Vouk

Bei der Gemeinderatswahl 2021 erreichte die SPÖ 57,4 Prozent und 16 der 27 Mandate. Die ÖVP kam auf 25,6 Prozent und sieben Sitze, die FPÖ auf 12,7 Prozent und drei Mandate. Die Grünen hielten mit 4,3 Prozent ein Mandat. Damit lag die Mehrheitsschwelle bei 14 Sitzen; die SPÖ besaß zwei Mandate mehr als nötig.

ParteiStimmenMandate
SPÖ57,4 %16
ÖVP25,6 %7
FPÖ12,7 %3
Grüne4,3 %1

Dieses Ergebnis war eng mit Ferdinand Vouk (SPÖ) verbunden. Er wurde 2021 mit 67,1 Prozent direkt zum Bürgermeister gewählt und führte Velden insgesamt 25 Jahre lang. Sein Ergebnis lag damit fast zehn Prozentpunkte über dem Ergebnis seiner Partei. Vouk war nicht nur Spitzenkandidat, sondern die politische Klammer der roten Mehrheit.

Im März 2026 endete diese Ära vorzeitig. Vouk trat zurück, der Gemeinderat wählte Margit Heissenberger zur Bürgermeisterin. Sie führt die Gemeinde rechtmäßig und verfügt im Rat über eine klare Mehrheit. Einen eigenen Direktwahlsieg hat sie aber noch nicht. Genau dieser Unterschied prägt die Ausgangslage vor 2027.

Heissenberger muss aus einem Erbe ein eigenes Mandat machen

Heissenberger bringt Erfahrung aus Bildung, öffentlichem Dienst, europäischer Zusammenarbeit und Privatwirtschaft mit. Als Bürgermeisterin verantwortet sie Personal, Soziales, Wohnen, Finanzen und Wirtschaftsförderung. Das gibt ihr Zugriff auf jene Themen, an denen kommunale Führung unmittelbar gemessen wird.

Ihre erste Aufgabe besteht dennoch nicht in einem einzelnen Projekt. Sie muss den Wechsel selbst politisch bewältigen. Nach einem Vierteljahrhundert unter Vouk muss erkennbar werden, wofür die neue Bürgermeisterin steht, welche Prioritäten sie setzt und wie sie die unterschiedlichen Teile der Gemeinde zusammenführt. Kontinuität schafft Stabilität, reicht für einen eigenen Wahlauftrag aber nicht aus.

Dazu kommt eine offene Personalfrage innerhalb der SPÖ. In der Ortspartei wurde 2026 über einen Wechsel an der Parteispitze von Gerd Kurath (SPÖ) zu Vizebürgermeister Markus Fantur (SPÖ) diskutiert. Solche Auseinandersetzungen müssen keine Schwäche sein. Werden Rollen und Richtung jedoch erst im Wahljahr geklärt, überlagert die interne Ordnung den öffentlichen Auftrag.

Das übergeordnete Wahlklima hat sich gedreht

Die kommunale Stärke der SPÖ steht inzwischen in scharfem Kontrast zu den Ergebnissen bei übergeordneten Wahlen. Bei der Europawahl 2024 erreichte die FPÖ in Velden 31,8 Prozent, die SPÖ 24,7 Prozent. Bei der Nationalratswahl 2024 wuchs der Abstand weiter: Die FPÖ kam auf 36,1 Prozent, die SPÖ auf 21,4 Prozent. Die ÖVP lag mit 23,2 Prozent ebenfalls vor den Sozialdemokraten.

Diese Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf eine Gemeinderatswahl übertragen. Kommunal zählen Personen, Projekte und die tägliche Arbeit der Gemeinde stärker. Sie zeigen aber, dass ein beträchtlicher Teil der Veldener Wählerschaft auf Bundes- und Europaebene längst freiheitlich wählt. Die SPÖ kann nicht mehr davon ausgehen, dass ihre lokale Mehrheit auf einer stabilen roten Grundstruktur beruht.

Für die FPÖ eröffnet sich damit ein deutlich größeres Reservoir als ihre drei Gemeinderatsmandate vermuten lassen. Markus Kuntaritsch (FPÖ) sitzt im Gemeindevorstand und verfügt damit über institutionelle Sichtbarkeit. Die strategische Frage lautet, ob die FPÖ den übergeordneten Rückenwind in kommunale Kompetenz und eine personell breitere Alternative übersetzen kann.

Die ÖVP bleibt der unmittelbare kommunale Herausforderer

Die ÖVP ist mit sieben Mandaten weiterhin die zweitstärkste Kraft im Gemeinderat. Mit Robert Köfer (ÖVP) und Michael Ramusch (ÖVP) ist sie im Gemeindevorstand vertreten und in zentralen Bereichen wie Wasser, Kanal, Bauen und Energie verankert. Sie besitzt damit mehr kommunale Struktur als die FPÖ, steht aber ebenfalls unter Druck des blauen Aufschwungs.

Für die ÖVP reicht es deshalb nicht, nur auf Verluste der SPÖ zu hoffen. Sie muss erklären, warum aus ihrer sachpolitischen Präsenz ein Führungsanspruch entsteht. Andernfalls kann sie zwischen einer weiterhin starken Bürgermeisterpartei und einer mobilisierten FPÖ an Raum verlieren. Die Grünen wiederum bleiben mit einem Mandat auf eine klar erkennbare Kontroll- und Themenrolle angewiesen.

Tourismus, Wohnen und Ortsentwicklung entscheiden über Vertrauen

Velden lebt von einer starken touristischen Marke, zugleich aber mit den Folgen dieses Erfolgs. Hohe Grundstückspreise, Zweitwohnsitze, Verkehr, Nutzungskonflikte am See und die Frage, wie viel Entwicklung der Ort verträgt, berühren den Alltag der Bevölkerung unmittelbar. Das politische Zentrum liegt daher nicht allein bei klassischen Parteithemen, sondern bei der Balance zwischen Tourismusort und Lebensraum.

Heissenberger hat Zweitwohnsitze in erster Reihe am See als Gefahr für die örtliche Entwicklung bezeichnet. Entscheidend wird sein, ob daraus eine nachvollziehbare Linie in Raumordnung, Bauen und leistbarem Wohnen entsteht. Auch die Ortsentwicklung muss mehr leisten als ein attraktives Zentrum für Gäste: Sie muss Mobilität, Nahversorgung und Lebensqualität für die Katastralgemeinden zusammenführen.

Gerade hier entscheidet sich, ob die SPÖ ihre Mehrheit als Gestaltungskraft sichtbar macht. Die FPÖ kann Unzufriedenheit über Verkehr, Preise oder Veränderung bündeln. Die ÖVP kann ihre Verankerung in Wirtschaft, Eigentum und Infrastruktur ausspielen. Die Bürgermeisterin braucht daher konkrete Ergebnisse und eine verständliche Vorstellung davon, wem die Entwicklung Veldens dienen soll.

Politischer Befund

Die arithmetische Lage ist eindeutig: Mit 16 von 27 Mandaten kann die SPÖ weiterhin allein entscheiden. Politisch ist ihre Position weniger komfortabel. Die Mehrheit trägt noch die Handschrift Vouks, während Heissenberger erst ein eigenes Profil und einen eigenen Wahlauftrag aufbauen muss. Die parteiinterne Neuordnung verkürzt dafür die verfügbare Zeit.

Gleichzeitig ist das freiheitliche Potenzial real. Die FPÖ war bei der Europa- und Nationalratswahl stärkste Partei in Velden. Daraus folgt keine automatische kommunale Mehrheit, wohl aber ein großer Kreis erreichbarer Wähler. Für die SPÖ wird entscheidend, ob sie diese Menschen über sichtbare Gemeindearbeit, glaubwürdige Führung und eine klare Linie bei Wohnen, Tourismus und Ortsentwicklung weiterhin binden kann.

Die rote Mehrheit in Velden steht noch. Aber sie ist nicht mehr selbstverständlich und sie gehört politisch noch nicht Margit Heissenberger. 2027 entscheidet sich, ob die neue Bürgermeisterin aus Vouks Erbe eine eigene Mehrheit formt – oder ob das längst blaue politische Klima erstmals auch die Machtverhältnisse im Gemeinderat grundlegend verändert.