Ein kleiner Wahlerfolg in einem völlig veränderten Gemeinderat
Das Ergebnis von Mitanand für Rankweil war bei der Gemeindewahl 2025 besser als fünf Jahre zuvor. Die SPÖ-geprägte Liste stieg von 8,4 auf 9,85 Prozent und gewann ein drittes Mandat. Bernhard Keckeis, Helmut Madlener und Gudrun Werner vertreten Mitanand seither in der 33-köpfigen Gemeindevertretung. Gemessen am eigenen Ausgangspunkt ist das ein echter Fortschritt.
Gleichzeitig hat sich das politische Spielfeld stärker verändert als das Ergebnis der Liste. Die Volkspartei verlor ihre absolute Mehrheit und hält noch 13 Mandate. Das Grüne Forum kam auf zwölf, die FPÖ-Liste auf fünf und Mitanand auf drei. Damit stehen sich zwei große Blöcke beinahe auf Augenhöhe gegenüber, während die FPÖ deutlich zulegte und im Gemeindevorstand vertreten ist. Mitanand gewann zwar an Zustimmung, landete relativ betrachtet aber in einer schwierigeren Position.
Die schwierigere Lage ist zugleich eine Chance
Ein knapper Abstand zwischen Volkspartei und Grünen macht die Gemeindevertretung politischer. Entscheidungen werden stärker erklärt, Mehrheiten sichtbarer organisiert und Konflikte klarer zugerechnet. Für eine kleine Fraktion ist das kein Nachteil, wenn sie nicht versucht, bei jedem Thema die vierte Variante anzubieten. Sie kann dort Gewicht bekommen, wo die beiden großen Kräfte unterschiedliche Prioritäten setzen oder eine soziale Perspektive fehlt.
Genau hier liegt die Chance von Mitanand. Die Grünen besetzen Umwelt, Mobilität und eine progressive Gemeindepolitik bereits stark. Die FPÖ verbindet Opposition mit Protest. Die Volkspartei führt das Rathaus. Frei bleibt eine konsequent alltagsnahe Linie: leistbares Leben, gute Kinderbetreuung, Pflege, Wohnen, Integration und die Frage, wer bei knappen Budgets die Folgen trägt. Wenn Mitanand diese Themen konkret und lösungsorientiert besetzt, sind drei Mandate mehr als eine Randposition.
Die Akteure sind da – ihre Rollen müssen klarer werden
Mit Keckeis, Madlener und Werner verfügt Mitanand über ein dreiköpfiges Team. Politisch entscheidend ist nun weniger, ob alle zu jedem Thema sprechen, sondern ob die Bevölkerung rasch erkennt, wer wofür steht. Eine kleine Fraktion gewinnt nicht durch maximale Themenbreite, sondern durch klare Zuständigkeiten und Wiedererkennbarkeit.
Sinnvoll wäre eine sichtbare Arbeitsteilung: eine Person für Budget, Kontrolle und Gemeindefinanzen, eine für Familie, Soziales und Wohnen, eine für Ortsteile, Vereine und den direkten Kontakt zur Bevölkerung. Dazu braucht es eine Stimme, die die gemeinsame Linie nach außen trägt. Das ist keine Frage der Hierarchie. Es ist die Voraussetzung dafür, dass aus drei engagierten Mandataren ein politisches Angebot wird.
Was in den eineinhalb Jahren seit der Wahl passiert ist
Seit März 2025 haben sich die neuen Kräfteverhältnisse institutionell gefestigt. Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall blieb im Amt, obwohl sie als einzige Kandidatin bei der Bürgermeisterwahl nur eine vergleichsweise knappe Mehrheit der gültigen Ja- und Nein-Stimmen erhielt. Johannes Herburger vom Grünen Forum wurde Vizebürgermeister. Im sechsköpfigen Gemeindevorstand sitzen Vertreterinnen und Vertreter von Volkspartei, Grünen und FPÖ – Mitanand ist dort nicht vertreten.
Inhaltlich steht Rankweil inzwischen unter starkem finanziellem Druck. Der Voranschlag 2026 weist nach Rücklagenbewegungen ein negatives Nettoergebnis von rund 9,4 Millionen Euro aus. Die Investitionsauszahlungen wurden deutlich reduziert, zugleich steigen die geplante Kreditaufnahme und die Pro-Kopf-Verschuldung. Dennoch werden wichtige Projekte weitergeführt: der Entlastungskanal in der Appenzellerstraße, Straßen- und Kreisverkehrsprojekte, Arbeiten in Klosterreben und am Gutshof Maldina sowie Planungen für das Jugendhaus.
Auch klimapolitisch läuft die Arbeit weiter. Mit dem Fahrplan Rankweil 2040 werden Energie, Gebäude, Mobilität und räumliche Entwicklung miteinander verbunden. Im September 2026 wurde zudem der neue Kreisverkehr im Bereich Ringstraße, Alemannenstraße und Stiegstraße nach rund zehn Wochen Bauzeit freigegeben. Die Gemeinde kann also weiterhin Projekte umsetzen – sie muss unter engeren finanziellen Bedingungen aber härter priorisieren.
Gleichzeitig entstehen neue politische Trennlinien. Die Rankweiler SPÖ kritisierte öffentlich, dass eine Mehrheit aus Volkspartei und FPÖ die Förderung der etablierten Integrationsarbeit beendet habe. Gerade solche Entscheidungen zeigen, wo Mitanand eine eigene Rolle entwickeln kann: nicht bloß als weitere Gegenstimme, sondern als Kraft, die soziale Folgen sichtbar macht, Betroffene einbindet und finanzierbare Alternativen vorlegt.
Nicht die dritte Opposition werden
Für Mitanand wäre es strategisch falsch, die Grünen in ihrer Kontrollrolle kopieren oder die FPÖ im Protest überbieten zu wollen. Beides würde die eigene Sichtbarkeit verringern. Die Liste muss auch nicht gegen jedes Vorhaben der Bürgermeisterin auftreten. Konstruktive Zustimmung kann ebenso Profil schaffen, wenn zugleich klar wird, welche Bedingungen aus sozialdemokratischer Sicht erfüllt sein müssen.
Besonders beim Budget liegt ein konkreter Ansatzpunkt. Jede Einsparung hat eine Verteilungswirkung: Sie trifft Familien, Vereine, soziale Einrichtungen oder künftige Generationen unterschiedlich. Mitanand sollte deshalb nicht nur fragen, wie viel gespart wird, sondern wo, bei wem und mit welchen Folgen. Wer zu jeder größeren Budgetentscheidung eine verständliche soziale Bilanz liefert, wird auch mit drei Mandaten relevant.
Vier Aufgaben bis 2030
Erstens braucht Mitanand zwei oder drei feste Kernthemen, die über Jahre durchgehalten werden. Zweitens muss die Fraktion zu diesen Themen eigene, finanzierbare Vorschläge vorlegen und deren Umsetzung verfolgen. Drittens sollte sie eine öffentliche Ergebnisbilanz führen: Was wurde beantragt, was übernommen, was abgelehnt und mit welcher Begründung? Viertens muss früh geklärt werden, mit welchem personellen Angebot die Liste in die nächste Wahl geht.
Dabei sollte der Ton zuversichtlich bleiben. Der Zugewinn von 2025 beweist, dass eine sozialdemokratisch und unabhängig geprägte Liste in Rankweil wachsen kann. Das dritte Mandat eröffnet mehr Präsenz, mehr Arbeitsteilung und mehr Kontaktflächen in die Gemeinde. Es ist kein Durchbruch, aber eine belastbare Grundlage.
Politischer Befund
Mitanand hat bei der Wahl 2025 leicht gewonnen und dennoch an relativer Bedeutung verloren, weil Grüne und FPÖ stärker von der Neuordnung profitierten. Die Volkspartei führt weiterhin das Rathaus, ist aber nicht mehr allein bestimmend. Dadurch entstehen offene Mehrheiten und politische Räume, die eine kleine Fraktion nutzen kann.
Der Weg nach vorne führt nicht über Lautstärke, sondern über Konzentration. Wenn Keckeis, Madlener und Werner ihre Rollen klar verteilen, wenige soziale Kernthemen dauerhaft besetzen und zu den schwierigen Budgetentscheidungen umsetzbare Alternativen anbieten, kann Mitanand aus drei Mandaten Schritt für Schritt politisches Gewicht machen.
Die Ausgangslage ist anspruchsvoller geworden, aber keineswegs schlechter: Rankweil hat heute mehr Wettbewerb, knappere Mehrheiten und härtere Verteilungsfragen. Genau in diesem Umfeld kann eine verlässliche, soziale und lösungsorientierte Kraft wachsen. Der Wahlerfolg von 2025 war der Anfang – sichtbar werden muss nun, wofür er genutzt wird.
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