Die Machtfrage ist entschieden
Bei der Bürgermeisterwahl am 4. Mai 2025 erreichte Ebner 65,7 Prozent. Die SVP kam bei der Listenwahl auf rund 56,3 Prozent und 15 der 27 Sitze. Pro Eppan–Appiano, die ökosoziale und den Südtiroler Grünen nahestehende Liste, erhielt rund 19,1 Prozent und fünf Mandate. Die Bürgerliste Eppan erreichte rund 15,3 Prozent und vier Mandate. Appiano Unita–Gemeinsam für Eppan, die Süd-Tiroler Freiheit und die Lega erhielten jeweils einen Sitz. Die Freiheitlichen blieben ohne Mandat.
Damit braucht die SVP für eine einfache Mehrheit keine andere Liste. Selbst sämtliche übrigen Ratsmitglieder kommen zusammen nur auf zwölf Sitze. Ebners persönliches Ergebnis liegt zudem deutlich über dem seiner Partei: Sein Wahlsieg lässt sich deshalb auch als Vertrauen in seine Person lesen.
Vizebürgermeister Massimo Cleva (Appiano Unita–Gemeinsam für Eppan) gehört weiterhin dem Gemeindeausschuss an. Seine Liste besitzt eine interethnische Ausrichtung; Cleva war 2015 für den PD angetreten. Die Zusammenarbeit bindet somit eine weitere politische und ethnische Perspektive in die Führung ein. Für die einfache Ratsmehrheit ist sein Mandat jedoch nicht ausschlaggebend.
Eppan befindet sich in der ersten Arbeitsphase der Amtsperiode 2025–2030. Die entscheidende Frage lautet derzeit, ob die neue Führung ihre starke Ausgangslage in erkennbare Ergebnisse übersetzt.
Die Bürgerliste muss ihre Rolle neu aufbauen
Die Bürgerliste hat mehr verloren als das Bürgermeisteramt. Nach 15 Jahren unter Bürgermeister Wilfried Trettl (Bürgerliste Eppan) ging die Führung 2025 an die SVP über. Im Mai 2026 schieden Trettl und die frühere Vizebürgermeisterin Monika Hofer Larcher (Bürgerliste Eppan) auch aus dem Gemeinderat aus.
Für sie rückten Simon Ebner (Bürgerliste Eppan) und Norbert Auer (Bürgerliste Eppan) nach. Gemeinsam mit Sonja Donat (Bürgerliste Eppan) und Susanne Ebner Heiss (Bürgerliste Eppan) bilden sie die aktuelle Ratsvertretung. Trettl und Hofer Larcher bleiben dem Vorstand verbunden. Der Rückzug wurde als vorbereitete Übergabe erklärt; ein interner Streit ist damit nicht belegt.
Politisch entsteht dennoch eine anspruchsvolle Situation: Die Liste verfügt über Verwaltungserfahrung, muss aber neue öffentlich erkennbare Führung entwickeln. Die Erinnerung an die eigene Regierungszeit reicht dafür kaum aus. Glaubwürdig wird sie dort, wo sie aus dieser Erfahrung konkrete Schwächen der heutigen Entscheidungen benennt und bessere Lösungen begründet.
Pro Eppan besitzt mit fünf Mandaten die stärkste Oppositionsfraktion. Greta Klotz (Pro Eppan–Appiano) führt die Fraktion und hat 2026 unter anderem die Busvorzugsspur sowie die Entwicklung im Bereich Pillhof und Unterrain aufgegriffen. Damit bearbeitet die Liste Themen, an denen sich die neue Gemeindeführung tatsächlich messen lassen muss.
Ein Entwicklungsprogramm macht die Verteilung sichtbar
Am 24. September 2026 berichtete Ebner, dass der Gemeinderat in der Vorwoche den Entwurf des Gemeindeentwicklungsprogramms für Raum und Landschaft beschlossen hatte. Das ist ein wichtiger Verfahrensschritt. Es bedeutet noch keine Umsetzung der darin vorgesehenen Entwicklung.
Die Vorbereitung umfasst Siedlungsentwicklung, Leerstände, Wirtschaft, Landschaft, öffentliche Räume und Mobilität. In den Beteiligungsformaten wurden auch sichere Fuß- und Radverbindungen zwischen St. Michael, Girlan und St. Pauls sowie weniger Durchzugsverkehr in den Ortszentren zur Diskussion gestellt. Diese Fragen sind dokumentierte Gegenstände des Prozesses; daraus folgt noch keine beschlossene Einzelmaßnahme.
Die räumliche Vielfalt Eppans macht genau diese Reihenfolge empfindlich. Eine Aufwertung des einen Zentrums kann andernorts als Zurücksetzung ankommen. Verkehrsberuhigung schafft Aufenthaltsqualität, verändert aber Zufahrten und Parkmöglichkeiten. Zusätzlicher Wohnraum berührt Landschaft, Nachbarschaft und Infrastruktur.
Raumentwicklungsreferent Martin Haller (SVP) trägt dabei eine zentrale Verantwortung. Zu seinem Ressort gehören Urbanistik und geförderter Wohnbau; zugleich arbeitet er in den gemeindlichen und übergemeindlichen Steuerungsgruppen mit. Die gemeinsame Richtung muss daher nicht nur vom Bürgermeister vertreten, sondern in den zuständigen Ressorts durchgehalten werden.
Am Pillhof wird aus Verkehrsplanung eine Führungsfrage
Wie rasch Sachfragen mehrere politische Kräfte verbinden können, zeigt der Pillhof. Im Mai 2026 verlangten Pro Eppan–Appiano, Bürgerliste und Süd-Tiroler Freiheit gemeinsam Klarheit darüber, ob und wie die Tunnellösung weiterverfolgt wird. Ihre Kritik richtete sich auch gegen die Interessenvertretung der Gemeinde gegenüber dem Land.
Damit entsteht eine gemeinsame Oppositionsachse mit zehn Mandaten. Sie kann die SVP rechnerisch nicht überstimmen. Sie kann aber öffentlich die Frage zuspitzen, welchen Nutzen Eppan aus der politischen Nähe seiner Führung zur Landesregierung zieht.
Im Juli 2026 lehnte der Landtag einen Antrag zur konsequenten Weiterführung der Pillhof-Tunnellösung mit 15 Ja- und 17 Nein-Stimmen ab. Die Initiativgruppe Pillhof kritisiert zudem, die aktuelle Kreuzungsplanung gefährde eine spätere Tunnellösung. Das ist eine Position der Initiative, keine abschließend belegte technische Feststellung. Als öffentlich formulierter Vertrauenskonflikt ist sie gleichwohl relevant.
Für Ebner reicht deshalb der Verweis auf die Zuständigkeit des Landes politisch nicht aus. Er muss nachvollziehbar machen, was die Gemeinde verlangt, was davon erreicht wurde und welche Fragen weiterhin offen sind.
Politischer Befund
Zwei Entwicklungen sind plausibel. Gelingt es der Führung, aus dem Entwicklungsprogramm eine erkennbare Reihenfolge zu machen und bei den Verkehrsfragen Fortschritte durchzusetzen, kann die SVP ihre zurückgewonnene Stellung festigen. Bleiben dagegen Vorhaben unübersichtlich oder fühlen sich einzelne Fraktionen dauerhaft nachgereiht, erhält die Opposition gemeinsame Angriffspunkte.
Pro Eppan besitzt dafür derzeit die stärkste parlamentarische Ausgangsbasis. Die Bürgerliste muss ihre neue Mannschaft profilieren. Süd-Tiroler Freiheit und Lega verfügen jeweils über einen Sitz, die Freiheitlichen über keinen. Daraus lässt sich kein geschlossenes oder kommunal führungsfähiges rechtes Gegenlager ableiten.
Ebner führt Eppan mit einem klaren persönlichen Mandat und einer eigenen SVP-Mehrheit. Seine Bewährungsprobe liegt in der Verteilung: Welche Ortszentren werden aufgewertet, wo entsteht Wohnraum, und welche Verkehrsentlastung erreicht die Gemeinde tatsächlich? Die Opposition kann seine Mehrheit derzeit nicht ersetzen. Sie kann ihn aber dort unter Druck setzen, wo aus angekündigter Entwicklung keine nachvollziehbaren Entscheidungen werden.

