
Feldkirchen geht mit einer veränderten politischen Auswahl in die Wahl 2027. Bürgermeister Martin Treffner (ÖVP) will erneut antreten. Christoph Gräfling (Gemeinsam für Feldkirchen, nach seinem Austritt aus den Grünen parteifrei) führt das angekündigte Bündnis „SPÖ und Unabhängige“ an. Stadtrat Helmut Kraßnig (FPÖ) ist als Spitzen- und Bürgermeisterkandidat seiner Partei nominiert. Damit stehen drei unterschiedliche Ansprüche im Raum: Fortsetzung der bisherigen Führung, ein gebündeltes Gegenangebot und ein stärkerer freiheitlicher Einfluss.
Die nächste reguläre Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl wird für Februar 2027 erwartet. Mitte Oktober liegt sie damit nur noch wenige Monate entfernt. Der politische Wettbewerb steht bereits unter dem Eindruck konkreter Kandidaturen und des gemeinsamen Oppositionsantritts. Dabei trifft die Konkurrenz um das Rathaus auf sehr konkrete Fragen: sichere Wasserversorgung, knappe Stadtfinanzen, eine lebendige Innenstadt und große Infrastruktur- und Tourismusprojekte. An ihnen wird sich zeigen, welche der erkennbaren Alternativen als tragfähige Stadtführung überzeugt.
Die ÖVP führt, kann aber nicht allein entscheiden
Treffner ist seit 2015 Bürgermeister. Bei der Wahl 2021 gewann seine Partei deutlich hinzu, während die SPÖ sechs Gemeinderatssitze verlor. Der Amtsinhaber wurde bereits im ersten Wahlgang bestätigt. Das verschaffte ihm eine starke persönliche Legitimation und machte die ÖVP zur klar größten Fraktion.
| Partei / Liste | 1. März 2015 | 28. Februar 2021 · Veränderung |
|---|---|---|
| ÖVP | 29,55 % · 10 Sitze | 44,28 % · 14 Sitze +14,73 Pp. / +4 Sitze |
| SPÖ | 41,23 % · 14 Sitze | 26,75 % · 8 Sitze −14,48 Pp. / −6 Sitze |
| FPÖ | 11,56 % · 3 Sitze | 12,02 % · 4 Sitze +0,46 Pp. / +1 Sitz |
| Grüne | 8,45 % · 2 Sitze | 12,73 % · 4 Sitze +4,28 Pp. / +2 Sitze |
| FePlus | 7,56 % · 2 Sitze | 4,22 % · 1 Sitz −3,34 Pp. / −1 Sitz |
| NEOS | 1,65 % · kein Sitz | Nicht angetreten |
Heute stehen den 14 ÖVP-Mandaten acht der SPÖ, vier der FPÖ, vier von „Gemeinsam für Feldkirchen“ und eines von FePlus gegenüber. Die vier 2021 für die Grünen gewonnenen Sitze werden inzwischen unter „Gemeinsam für Feldkirchen“ geführt. Die historische Wahlbezeichnung und die heutige politische Organisation sind damit auseinanderzuhalten.
Für eine absolute Mandatsmehrheit sind 16 von 31 Sitzen erforderlich. ÖVP und FPÖ kommen zusammen auf 18. Damit besteht eine rechnerische Mehrheitsoption zwischen beiden Parteien. Beim Beschluss zum Energieeinkauf im April trugen ÖVP, FPÖ und FePlus gemeinsam die Zustimmung. Beim Rechnungsabschluss reichte die Zustimmung dagegen weit über diese Gruppen hinaus. Die Opposition bezeichnet die Zusammenarbeit von ÖVP und FPÖ als Koalition; die dokumentierten Abstimmungen zeigen zugleich wechselnde Mehrheiten. Treffner verfügt über die stärkste einzelne Fraktion, bleibt für Mehrheitsentscheidungen aber auf Zustimmung außerhalb der ÖVP angewiesen.
Persönlich war er 2021 stärker als seine Partei: 53,24 Prozent bei der Bürgermeisterwahl standen 44,28 Prozent für die ÖVP gegenüber. Dieser Abstand ist für 2027 bedeutsam. Ein Teil der damaligen Zustimmung galt erkennbar seiner Person. Ob diese Bindung unter veränderten Konkurrenzbedingungen trägt, ist eine der zentralen offenen Fragen.
Das Bündnis verändert die Auswahl, noch nicht die Mehrheit
Der gemeinsame Antritt von SPÖ und „Gemeinsam für Feldkirchen“ ist mehr als eine zusätzliche Wahlliste. Er führt zwei bisher getrennte örtliche Organisationen hinter einem Bürgermeisterkandidaten zusammen. Gräfling bringt seine Erfahrung als Stadtrat und eine aus dem früheren Grünen-Umfeld entstandene Mannschaft ein. Die SPÖ stellt ihre kommunale Organisation und ihren Zugang zu einer weiteren Wählertradition daneben.
Die Konstruktion überbrückt unterschiedliche politische Herkünfte. Gräfling war früher stellvertretender Landessprecher der Grünen; nach dem Bruch 2023 gründete er die parteifreie Liste. Der angekündigte gemeinsame Antritt mit der SPÖ macht daraus ein neues Angebot. Er ist weder mit einer Fortsetzung der Grünen unter anderem Namen noch mit einer bereits gewählten neuen SPÖ-Fraktion gleichzusetzen.
Auch innerhalb der SPÖ sind die Rollen verteilt. Isabella Breiml (SPÖ) ist Stadtparteiobfrau und Gemeinderätin. Das Vizebürgermeisteramt hat sie 2025 an Christian Petautschnig (SPÖ) übergeben. Gräflings Spitzenkandidatur ersetzt diese örtlichen Funktionen nicht. Die Partei muss ihre bisherige Mannschaft in den gemeinsamen Auftritt einbringen, während Gräfling als Person über die Grenzen seiner bisherigen Liste hinaus überzeugen muss.
Rechnerisch vertreten beide Gruppen derzeit zwölf Mandate. Selbst zusammen mit dem FePlus-Sitz wären es 13. Daraus folgt: Die Einigung beseitigt die Konkurrenz zweier Angebote um eine gemeinsame Bürgermeisterkandidatur. Für eine andere Gemeinderatsmehrheit braucht es jedoch zusätzliche Zustimmung. Frühere Stimmenanteile lassen sich nicht verlustfrei addieren; ein Bündnis kann Menschen neu gewinnen und zugleich bisherige Bindungen lockern.
Die FPÖ hat Potenzial und trägt Verantwortung
Die Freiheitlichen stehen zwischen zwei politischen Rollen. Im Gemeinderat können ihre vier Mandate Mehrheiten mit der ÖVP ermöglichen. Gleichzeitig zeigen die überregionalen Wahlen ein weit größeres freiheitliches Wählerpotenzial in der Stadt. Kraßnigs Kandidatur gibt diesem Potenzial eine konkrete kommunale Adresse.
| Datum / Wahl | Ergebnis in der Stadt Feldkirchen |
|---|---|
| 5. März 2023 Landtagswahl | SPÖ 33,3 %; FPÖ 29,6 %; ÖVP 15,4 %; Team Kärnten 10,8 %; Grüne 5,3 %; NEOS 2,1 %; übrige Listen rund 3,4 % |
| 9. Juni 2024 Europawahl | FPÖ 38,8 %; SPÖ 25,6 %; ÖVP 16,5 %; NEOS 7,7 %; Grüne 5,9 %; DNA 3,5 %; KPÖ 2,1 % |
| 29. September 2024 Nationalratswahl | FPÖ 45,6 %; SPÖ 19,7 %; ÖVP 18,7 %; NEOS 6,6 %; Grüne 3,6 %; BIER 2,7 %; KPÖ 1,7 %; übrige Listen rund 1,5 % |
Diese Ergebnisse betreffen die Stadtgemeinde, nicht den gesamten Bezirk. Sie vergeben keine kommunalen Mandate. Gerade die unterschiedlichen Rangfolgen zeigen, wie stark die politische Ebene und das jeweilige Personenangebot die Entscheidung prägen: Kommunal war 2021 die ÖVP klar vorne, bei der Landtagswahl 2023 die SPÖ, bei den beiden bundesweiten Parteienwahlen 2024 die FPÖ.
Für Kraßnig ist das eine Chance, aber kein vorweggenommenes Ergebnis. Seine Partei kann auf ein örtlich nachgewiesenes Reservoir an Zustimmung verweisen. Daraus folgt noch nicht, dass dieselben Menschen ihm die Stadtführung zutrauen oder ihre Gemeinderatsstimme der FPÖ geben. Die heutige Ratsmannschaft und ihre kommunale Arbeit bleiben dafür entscheidend.
Hinzu kommt ein Spannungsverhältnis: Soweit die FPÖ gemeinsame Entscheidungen mit der ÖVP trägt, kann sie die Bilanz der Stadtführung nicht ausschließlich von außen beurteilen. Je stärker die FPÖ im Wahlkampf Veränderung beansprucht, desto wichtiger wird die Frage nach ihrem eigenen bisherigen Beitrag. Umgekehrt kann sie aus ihrer Mitwirkung Erfahrung und Verlässlichkeit ableiten. Welche Lesart sich durchsetzt, ist offen.
Das Trinkwasser wird zum akuten Vertrauensthema
Die Verunreinigung der Trinkwasserversorgung hat Mitte Oktober eine unmittelbare Alltagsfrage in den Vordergrund gerückt. Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse vom 15. Oktober wurde das Abkochgebot für weite Teile des Gemeindegebiets aufgehoben. In einzelnen Versorgungsbereichen blieb es vorsorglich bestehen. Die Entwarnung war damit ausdrücklich noch keine Entwarnung für die gesamte Gemeinde.
Nach Angaben der Stadt liegt der Ursprung der Verunreinigung außerhalb des städtischen Wasserleitungsnetzes und steht nicht mit dessen technischem Zustand in Zusammenhang. Die Fremdzuleitung wurde geschlossen; die Versorgung erfolgt laut Stadt inzwischen ausschließlich aus eigenen Quellen. Daraus lässt sich keine belegte Verantwortung des Bürgermeisters oder der Stadt für die Ursache ableiten.
Politisch entsteht dennoch eine Bewährungsprobe: Die Bevölkerung muss nachvollziehen können, welche Gebiete betroffen sind und wann Einschränkungen aufgehoben werden. Entscheidend sind die Verlässlichkeit der Versorgung und die Verständlichkeit der Information. Ob daraus eine längerfristige Belastung für die Stadtführung entsteht, hängt vom weiteren Verlauf und vom Umgang mit den Betroffenen ab.
Die Finanzlage begrenzt alle Wahlversprechen
Für 2026 wurde Ende 2025 ein Budget mit einem Minus von rund 2,6 Millionen Euro angekündigt. Gleichzeitig standen höhere Wassergebühren im Raum. Damit verbindet sich die abstrakte Finanzdebatte mit der Belastung der Haushalte: Welche Leistungen bleiben erhalten, welche Investitionen sind möglich und was kostet die öffentliche Infrastruktur?
Der Rechnungsabschluss 2025 zeigt, weshalb einzelne positive Zahlen nicht mit Entspannung gleichzusetzen sind. Das Nettoergebnis nach Haushaltsrücklagen von rund 3,53 Millionen Euro wurde wesentlich durch eine Umbuchung von rund 3,90 Millionen Euro geprägt. Auch der positive Finanzierungssaldo von rund 816.000 Euro war kein frei verfügbares Investitionspolster: Rund 1,3 Millionen Euro an Lieferantenverbindlichkeiten wurden erst 2026 beglichen.
Für Treffner ist das ein zentraler Teil seiner Bilanz. Er verantwortet unter anderem Finanzen, Wirtschaft und Stadtentwicklung. Das bündelt Gestaltungsmöglichkeiten, macht es aber schwerer, Kritik an diesen Bereichen von seiner Person zu trennen. Die Herausforderung besteht darin, notwendige Erhaltung und einen erkennbaren Entwicklungskurs miteinander zu verbinden.
Gräflings Bündnis und die FPÖ werden unter denselben finanziellen Bedingungen beurteilt. Ein Führungswechsel allein schafft keinen zusätzlichen Spielraum. Je näher die Wahl rückt, desto stärker zählt deshalb, welche Prioritäten eine Mannschaft glaubwürdig vertreten kann.
Innenstadt und Wochenmarkt machen Entwicklung sichtbar
SPÖ und „Gemeinsam für Feldkirchen“ verbinden ihren gemeinsamen Antritt mit scharfer Kritik an der Innenstadtentwicklung und fehlender Dynamik. Das ist die politische Beschreibung der Opposition, noch kein Beleg dafür, dass eine Mehrheit die Stadt ebenso beurteilt. Sie trifft aber einen Bereich, in dem Veränderungen unmittelbar wahrgenommen werden: Geschäftslokale, Einkaufsmöglichkeiten, Märkte und die Nutzung des Zentrums.
Wie eng Sachfragen und persönliche Bindungen zusammenliegen, zeigte der Streit um den Wochenmarkt. Im April wurde über den angekündigten Rückzug des langjährigen Organisators Anton Dabernig (ÖVP) nach einem Konflikt mit Treffner berichtet. Die Auseinandersetzung löste öffentliche Reaktionen aus. Daraus folgt weder, dass der Markt eingestellt wurde, noch dass der damalige Konflikt unverändert fortbesteht. Er zeigt jedoch, welches Gewicht eine vertraute Einrichtung im Stadtleben besitzt.
Auch Straßen und Plätze gehören zu dieser sichtbaren Bilanz. Bei den Ende 2025 diskutierten Entscheidungen wurde für die Bahnhofstraße eine Sanierungslösung gefunden; auf eine Asphaltierung des Rauterplatzes wurde verzichtet. Solche Prioritäten übersetzen den Finanzdruck in konkrete Alltagserfahrungen. Politisch zählt, ob daraus ein nachvollziehbarer Kurs oder der Eindruck dauernden Aufschiebens entsteht.
Stromtrasse und Sonnenresort zeigen zwei Seiten der Entwicklung
Die geplante 380-kV-Leitung ist ein eigenständiges Thema für betroffene Ortsteile und Grundeigentümer. Nach Angaben des Netzbetreibers APG kamen zur Informationsveranstaltung im Juni mehr als 600 Menschen. Die adaptierte Variante über Persching Nord wurde in die weitere Planung übernommen. Laut dem damals vorgestellten Zeitplan sollten Maststandorte und Zufahrten bis Ende Herbst 2026 konkretisiert werden.
Damit fällt eine entscheidende Planungsphase in die Monate vor der Gemeindewahl. Wohnumfeld, Landschaft und Grundstücke verbinden sich mit der Frage, wie wirksam örtliche Interessen gegenüber einem überregionalen Infrastrukturprojekt vertreten werden. Eine veränderte Trasse belegt noch keine allgemeine Zustimmung. Gerade die räumlich unterschiedliche Betroffenheit kann innerhalb derselben Gemeinde zu sehr verschiedenen Bewertungen führen.
Am Maltschacher See steht dagegen ein angekündigter Entwicklungsschub im Raum. Im September wurde für das Sonnenresort eine Modernisierung um einen zweistelligen Millionenbetrag über die kommenden zwei bis drei Jahre vorgestellt. Geplant sind unter anderem zusätzliche Wellness- und Freizeitangebote. Für Feldkirchen verbindet sich damit die Aussicht auf touristische Wertschöpfung und Impulse für regionale Betriebe.
Für Treffner ist das ein konkreter Anknüpfungspunkt gegen den Vorwurf des Stillstands. Die Investition ist allerdings nicht mit einer bereits abgeschlossenen Erneuerung gleichzusetzen. Bis zur Wahl zählt, welche verbindlichen Schritte sichtbar werden und welcher Nutzen für die Stadt erkennbar ist. Politische Anerkennung entsteht daraus nicht automatisch und lässt sich nicht allein einem Akteur zuschreiben.
Die Bürgermeisterwahl bleibt ein eigener Wettbewerb
Gräflings gemeinsamer Antritt verändert vor allem die personelle Konkurrenz zum Amtsinhaber. Die SPÖ verzichtet im angekündigten Bündnis auf eine eigene Bürgermeisterkandidatur und unterstützt einen Bewerber außerhalb ihrer bisherigen Parteispitze. Damit wird das Gegenangebot früher erkennbar als bei zwei konkurrierenden Kandidaturen.
Dennoch lässt sich die Wahl nicht auf ein Duell reduzieren. Kraßnig tritt mit einem eigenen Anspruch an. FePlus ist mit Michael Kröndl (FePlus) weiterhin im Gemeinderat vertreten; aus seinem Mandat folgt noch keine bestätigte Bürgermeisterkandidatur für 2027. Auch die überregionalen Stimmen für Team Kärnten, NEOS oder die Grünen belegen für sich keine zusätzliche örtliche Kandidatenmannschaft.
Die drei maßgeblichen Bewerber müssen unterschiedliche Fragen beantworten. Treffner verteidigt das Vertrauen in seine bisherige Führung. Gräfling steht vor der Aufgabe, aus einer organisatorischen Einigung eine überzeugende gemeinsame Alternative zu machen. Kraßnig muss zeigen, wie weit freiheitliche Zustimmung jenseits der Bundespolitik trägt. Der Wahlkampf entscheidet darüber, welche dieser Beziehungen stärker wird.
Politischer Befund
Feldkirchens Wahlkampf verbindet die Konkurrenz um das Rathaus mit konkreten Bewährungsfragen: sichere Wasserversorgung, finanzierbare Leistungen, Innenstadtentwicklung und der Umgang mit großen Projekten. Treffner verfügt über eine starke persönliche Ausgangsbasis. Gräflings Bündnis bündelt die Opposition, während die FPÖ zusätzliches kommunales Potenzial besitzt. Keine dieser Positionen ersetzt den Nachweis einer tragfähigen Stadtführung.
Entscheidend wird, wem Feldkirchen verlässlichen Alltag und glaubwürdige Entwicklung zugleich zutraut. Die Trinkwasserfrage prüft das Vertrauen unmittelbar, Finanzen und Innenstadt prägen die breitere Bilanz. Stromtrasse und Sonnenresort machen sichtbar, wie gut örtliche Interessen vertreten und angekündigte Chancen tatsächlich umgesetzt werden.
Was bedeutet dieser Befund für Ihre Organisation?
Wir vertiefen die Lage vertraulich für Ihre konkrete politische Ausgangssituation.
Vertrauliche Vertiefung anfragen