Die Personalentscheidung ist gefallen, die politische Übergabe noch nicht. Die SPÖ-Fraktion in Bad Goisern hat den Landtagsabgeordneten und Ortsparteivorsitzenden Mario Haas einstimmig als Spitzen- und Bürgermeisterkandidaten für 2027 nominiert. Die formale Bestätigung durch die Mitgliederversammlung steht noch aus. Amtsinhaber Leopold Schilcher will bei der Wahl im Herbst 2027 nicht mehr antreten. Öffentlich bestätigt ist bislang nur Haas. Die Namen möglicher Gegner sind daher Szenarien auf Basis ihrer heutigen Funktionen und der Kandidaturen von 2021.

Die elf Punkte, die Haas nicht erbt

Bei der Bürgermeisterwahl 2021 erreichte Schilcher 56,86 Prozent. Seine SPÖ kam bei der gleichzeitig abgehaltenen Gemeinderatswahl auf 45,89 Prozent. Der persönliche Vorsprung des Bürgermeisters betrug damit 10,97 Prozentpunkte. Zugleich verlor die SPÖ gegenüber 2015 und hält heute 17 von 37 Mandaten – sie ist stärkste Kraft, verfügt aber über keine absolute Mehrheit.

Peer hat die beste Ausgangslage für die Stichwahl

Der naheliegendste Herausforderer wäre Hansjörg Peer, falls die ÖVP ihren Kandidaten von 2021 erneut nominiert. Peer ist heute zweiter Vizebürgermeister. 2021 erhielt er 26,14 Prozent, seine Partei 23,60 Prozent. Sein persönlicher Bonus von 2,54 Punkten war deutlich kleiner als jener Schilchers, zeigt aber, dass er über die eigene Parteibasis hinaus Stimmen erreichen konnte.

Peer verfügt mit neun ÖVP-Mandaten, seinem Amt und der Erfahrung einer Bürgermeisterkandidatur über den klarsten Weg auf Platz zwei. Für einen Sieg müsste er allerdings weit über das ÖVP-Lager hinauswachsen: 2021 lag er 30,72 Punkte hinter Schilcher. Seine Chance wäre ein Wahlkampf des geordneten Wechsels – nicht gegen Schilchers Amtsführung, sondern um jene parteiunabhängigen Vertrauensstimmen, die mit dessen Abschied frei werden. Eine Stichwahl Haas gegen Peer wäre deshalb das offenste Szenario: SPÖ-Organisation gegen Wechselstimmung.

Pfandl kann das Rennen öffnen

Alfred Pfandl wäre ein zweiter plausibler Gegner, falls die FPÖ wieder mit ihm antritt. Der frühere Vizebürgermeister sitzt heute im Gemeindevorstand. Bei der Bürgermeisterwahl 2021 erreichte er 17,00 Prozent gegenüber 15,98 Prozent seiner Partei. Sein persönlicher Aufschlag betrug damit nur 1,02 Punkte. Die Ausgangsbasis ist niedriger als jene Peers; seine Chance auf die Stichwahl steigt aber, wenn die FPÖ stark mobilisiert und die ÖVP hinter ihrem Ergebnis von 2021 bleibt.

In einer Stichwahl gegen Pfandl hätte Haas strukturell die günstigere Bündnisposition: Stimmen aus dem grünen und aus Teilen des bürgerlichen Lagers könnten sich gegen die FPÖ bündeln. Das ist keine Prognose, sondern die Logik dieses Szenarios. Die Grünen mit drei Mandaten und die MFG mit zwei Mandaten haben geringe Chancen auf einen Platz unter den ersten zwei, können mit zusammen 14,52 Prozent aus dem Jahr 2021 aber den Einzug in die Stichwahl und später deren Ausgang mitentscheiden.

Damit ist Haas derzeit Favorit auf Platz eins, aber nicht auf eine sichere Mehrheit im ersten Wahlgang. Peer besitzt das stärkste Potenzial als direkter Herausforderer; Pfandl kann das Rennen stärker zersplittern. Der Kipppunkt bleibt Schilchers persönlicher Stimmenvorsprung: Bindet Haas den größeren Teil, bleibt die SPÖ vorne. Gelingt Peer die glaubwürdigere Übernahme dieses Vertrauens, wird aus der Nachfolge eine echte Wechselwahl.

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