Acht Landeswappen auf einem abgestuften Siegerpodest nach dem SPÖ-Ranking, dahinter eine rote Fahne mit der Aufschrift SPÖ quo vadis

Was das Ranking bewertet

Das Ranking bewertet örtliche Reichweite, kommunale Gestaltungskraft und Entwicklung zwischen den Wahlen: Wo tritt die SPÖ an, wo verfügt sie über Mehrheiten, Bürgermeisterämter oder Regierungsbeteiligungen, und wo gewinnt oder verliert sie an Boden? Die Gemeindezahl allein erfasst weder die Bevölkerungsreichweite noch das Gewicht wichtiger Städte. Da die Landesbefunde unterschiedliche Wahljahre abbilden und eine vergleichbare Bevölkerungsgewichtung fehlt, ist die Rangfolge eine vorläufige politische Einordnung.

RangBundeslandKommunale GrundlagePolitische Einordnung
1Burgenland2022: Wahlangebote und Mandate in allen 171 Gemeinden; nach den Bürgermeisterwahlen 95 Rathausführungen.Größte Verbindung von flächendeckender Präsenz und kommunaler Macht im Vergleich.
2Kärnten2021: Kandidaturen in 126 von 132 Gemeinden; 39,9 Prozent. Im April 2026 wurden 52 SPÖ-Bürgermeisterämter ausgewiesen.Nahezu flächendeckendes Netz mit zahlreichen starken Mehrheiten; Bewährungsprobe Anfang 2027.
3Niederösterreich2025: Kandidaturen in 538 von 568 wählenden Gemeinden. Die SPÖ meldete im März 2025 106 Bürgermeisterämter und 82 eigene Mehrheiten.Sehr große Reichweite und erhebliche Gestaltungskraft; wichtige Mehrheiten werden verletzlicher.
4Steiermark2025 ohne Graz: 267 Wahlvorschläge in 284 Gemeinden; Mandate in 254 Gemeinden und 53 eigene Mandatsmehrheiten.Dichtes Netz mit starken örtlichen Positionen, aber deutlichen Verlusten an Mandaten und Führungskraft.
5Oberösterreich2021: Kandidaturen in 388 von 438 Gemeinden; danach 86 Bürgermeisterämter.Breite Präsenz und gewichtige Stadtführungen; weniger Wahlangebote und führende örtliche Positionen.
6Salzburg2024: 102 amtlich zugeordnete Kandidaturen in 119 Gemeinden, zusätzlich zwei dokumentierte Listengemeinschaften; 23 Bürgermeisterämter.Deutliche Rathausgewinne bei gleichzeitig schrumpfendem eigenständigem Wahlangebot.
7TirolDie SPÖ nennt für 2022 eigene oder nahe Kandidaturen in 100 Gemeinden. Bürgermeisterämter und die Regierungsbeteiligung in Innsbruck ergänzen dieses räumlich begrenzte Wahlangebot.Begrenztes Gemeindenetz bei bedeutender Regierungsverantwortung in wichtigen Städten; Bevölkerungsreichweite nicht vergleichbar gewichtet.
8Vorarlberg2025: Kandidaturen in 19 von 96 Gemeinden; 93 Mandate.Erfolgreiche Rathausführungen stehen großen Lücken im örtlichen Wahlangebot gegenüber.

Burgenland und Kärnten: Stärke reicht weit über einzelne Rathäuser hinaus

Das Burgenland steht an erster Stelle, weil hier mehrere Formen kommunaler Stärke zusammenkommen. Die SPÖ war 2022 überall wählbar, gewann überall Mandate und besetzte nach Abschluss der Bürgermeisterwahlen mehr als die Hälfte der Rathäuser. Mit 48,81 Prozent und 1.623 Gemeinderatsmandaten besitzt sie eine außergewöhnlich starke Ausgangsbasis.

Auch dort sind die Gemeinden allerdings unterschiedlich aufgestellt. Kleine Minderheitsfraktionen, örtliche Verluste und Bürgermeisterämter ohne eigene Gemeinderatsmehrheit gehören zum Gesamtbild. Die Spitzenposition bedeutet deshalb nicht, dass jede Ortsorganisation gleichermaßen belastbar wäre.

Kärnten folgt mit einem ebenfalls nahezu flächendeckenden Netz. Die SPÖ trat 2021 in 126 der 132 Gemeinden an. Starke eigene Mehrheiten etwa in Villach, Wolfsberg oder St. Veit zeigen, dass ihre kommunale Stellung über persönliche Bekanntheit einzelner Spitzenpersonen hinausgeht.

Gleichzeitig bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Städten. In Klagenfurt und Spittal besitzt die Partei wichtige Regierungspositionen, führt aber nicht das Rathaus. Amtswechsel und örtliche Konflikte verändern das Bild innerhalb der Wahlperiode. Anfang 2027 wird sich zeigen, wie viel der vorhandenen Verankerung erneut in Zustimmung und Verantwortung übersetzt werden kann.

Niederösterreich und Steiermark: Das Netz besteht, seine Tragfähigkeit nimmt ab

Niederösterreich liegt vor der Steiermark, weil die sehr große örtliche Reichweite mit einer umfangreichen Basis an Bürgermeisterämtern und eigenen Mehrheiten verbunden ist. Große sozialdemokratische Mehrheiten bestehen neben neu erschlossenen Rathausführungen und wichtigen Regierungsbeteiligungen.

Trumau, Traiskirchen und Schwechat zeigen unterschiedliche Formen starker örtlicher Verankerung. Mödling und Scheibbs zeigen wiederum, dass politische Führung auch durch erfolgreiche Zusammenarbeit mit anderen Kräften entstehen kann. In Wiener Neustadt ist die SPÖ ein wichtiger Teil der Stadtregierung.

Der Mehrheitsverlust in St. Pölten 2026 macht allerdings deutlich, dass selbst langjährige Führung keine sichere eigene Mehrheit gewährleistet. Niederösterreichs Aufgabe liegt überwiegend darin, ein vorhandenes Netz zu erneuern und seinen politischen Rückhalt zu stärken.

Die Steiermark verfügt ebenfalls über ein dichtes Gemeindenetz. Rund 94 Prozent der 2025 wählenden Gemeinden hatten ein amtlich der SPÖ zugeordnetes Angebot. 53 eigene Mandatsmehrheiten sind eine erhebliche Grundlage kommunaler Gestaltungskraft.

Der Rückgang um 184 Mandate und der Verlust wichtiger Führungspositionen wiegen jedoch schwer. Bruck an der Mur und Leibnitz zeigen, dass die stärkste Fraktion das Bürgermeisteramt durch andere Mehrheitsbildungen verlieren kann. Die SPÖ bleibt dort zugleich eine wichtige Kraft in der Stadtregierung. Kapfenberg und Trofaiach stehen für belastbare örtliche Stärke; Graz verlangt einen eigenen Wiederaufbau.

Oberösterreich und Salzburg: Rathauserfolge und Gemeindenetz entwickeln sich unterschiedlich

Oberösterreich liegt auf Rang fünf. Die SPÖ besitzt dort eine breite räumliche Präsenz und führt politisch gewichtige Städte. Linz, Steyr und Leonding stehen für erhebliche Gestaltungskraft. Marchtrenk verbindet das Bürgermeisteramt mit einer eigenen Gemeinderatsmehrheit.

Die Entwicklung der Fläche fällt weniger günstig aus. Auf vergleichbarem Gebietsstand sank die Zahl der Kandidaturen von 411 auf 388. Nach den Wahlen 2021 wurden 86 Bürgermeisterämter ausgewiesen, gegenüber 92 im Vergleichsstand 2015. Auch die Zahl der Gemeinden, in denen die SPÖ stimmenstärkste Partei war, ging zurück.

Salzburg folgt knapp dahinter. Dort gewann die SPÖ 2024 wichtige Rathausführungen, darunter die Landeshauptstadt. Insgesamt erreichte sie 23 Bürgermeisterämter. Dieser Zuwachs ist politisch substantiell und unterscheidet Salzburg von Bundesländern mit einem Nettoverlust an Rathausführungen.

Gleichzeitig sank die Zahl der eigenständigen Kandidaturen von 111 auf 102. Zwei dokumentierte Listengemeinschaften erweitern die politische Reichweite, ersetzen aber keine eigenständigen SPÖ-Listen. Salzburg liegt damit bei der amtlich zugeordneten örtlichen Präsenz hinter Oberösterreich.

Die Plätze im Mittelfeld liegen näher beieinander als die Positionen an der Spitze und am Ende. Salzburgs positive Bürgermeisterentwicklung steht einer geringeren und schrumpfenden Reichweite gegenüber. Oberösterreichs breiteres Netz steht seinerseits unter Druck. Beide Länder müssen erfolgreiche Führung stärker mit dem Erhalt örtlicher Mannschaften verbinden.

Tirol und Vorarlberg: Regierungsverantwortung bei begrenztem Gemeindenetz

Tirol liegt in dieser vorläufigen Reihung auf Rang sieben. Die begrenzte Zahl der Gemeinden darf dabei nicht mit geringer politischer Bedeutung gleichgesetzt werden. Bürgermeistererfolge, langjährige Verankerung und wichtige Regierungsbeteiligungen bestehen. Lienz, Schwaz, Zams und Oberndorf gehören deshalb ausdrücklich in den Befund. Oberndorf zeigt mit einer seit Jahrzehnten sozialdemokratisch getragenen Rathausführung, wie dauerhaft örtliche Bindung sein kann.

Innsbruck darf nicht auf das fehlende Bürgermeisteramt reduziert werden. Die SPÖ ist gemeinsam mit „JA – Jetzt Innsbruck“ und den Grünen Teil der regierenden Stadtkoalition. Sie trägt Ressortverantwortung unter anderem für Bildung, Kinderbetreuung sowie Kinder- und Jugendhilfe. Diese Beteiligung betrifft die Landeshauptstadt und besitzt deshalb ein anderes politisches und bevölkerungsbezogenes Gewicht als eine bloße Zählung der Gemeinden erkennen lässt.

Die räumliche Begrenzung bleibt dennoch erheblich. Schon die eigene Angabe der SPÖ von Kandidaturen in 100 Gemeinden umfasst nur gut ein Drittel des Landes. Daraus folgt aber nicht, dass die SPÖ nur ein Drittel der Tiroler Bevölkerung erreicht oder für diesen Anteil Regierungsverantwortung trägt. Dafür müssten die Einwohnerzahlen der vertretenen, geführten und mitregierten Gemeinden jeweils gesondert ausgewertet werden. Ebenso wenig belegt die damalige Reichweitenangabe für sich genommen einen fortlaufenden Rückzug.

Vorarlberg steht an letzter Stelle. 2025 trat die SPÖ in 19 von 96 Gemeinden an. In 77 Gemeinden fehlte ein entsprechendes örtliches Wahlangebot. Die Reihe von 26 Kandidaturen 2015 über 21 im Jahr 2020 auf 19 im Jahr 2025 zeigt einen längerfristigen Rückgang.

Die Rathausführungen in Bregenz, Dornbirn und Hard sind wichtige Erfolge. Sie geben der Partei Verantwortung und Sichtbarkeit. Sie ändern aber nichts daran, dass in vier Fünfteln der Gemeinden ein sozialdemokratisches Wahlangebot fehlt. Dort beginnt die Aufgabe bereits beim Aufbau einer kandidaturfähigen örtlichen Mannschaft.

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