Beides gehört zur politischen Lage: Die kommunale Vormacht der SVP besteht fort. Ihre Konkurrenz wird jedoch organisatorisch stärker. Für die nächste Landtagswahl 2028 ist deshalb entscheidend, wie viel von der örtlichen Bindung an Bürgermeister und Gemeinderäte auch der Landespartei zugutekommt.

Die Gemeinden bleiben das Fundament der SVP

Der Südtirolbericht nennt nach den Gemeindewahlen 2025 103 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die der SVP zugerechnet werden. Bei insgesamt 116 Gemeinden entspricht das knapp neun von zehn Rathäusern. Die politische Zuordnung reicht dabei über ausschließlich unter dem SVP-Namen gewählte Kandidaten hinaus. An der Größenordnung der Dominanz ändert das wenig.

Ein Bürgermeisteramt schafft dauerhafte politische Präsenz. Die Bevölkerung erlebt die Amtsführung bei Entscheidungen über Schulen, Betreuung, Straßen, Wohnbau, Vereinsleben und Gemeindeentwicklung. Wer erreichbar ist, Konflikte löst und Projekte umsetzt, kann Vertrauen aufbauen, das weit über eine einzelne Wahl hinausreicht.

Für die SVP bedeutet dieses Netz an Gemeinden Zugang zu lokalen Anliegen, sichtbare Verantwortung und einen großen Kreis politisch erfahrener Menschen. Kommunale Mandate sind zugleich ein Weg, auf dem neue Führungskräfte Erfahrung sammeln und Bekanntheit gewinnen können.

Die Rathausdominanz ist deshalb ein erheblicher Vorteil. Eine Analyse, die aus einzelnen Niederlagen oder örtlichen Bürgerlisten bereits eine allgemeine Auflösung der SVP-Führung ableitet, würde die tatsächlichen Kräfteverhältnisse verzerrt darstellen. Die SVP verfügt weiterhin über das mit Abstand stärkste kommunale Fundament.

Die Süd-Tiroler Freiheit vergrößert ihre örtliche Reichweite

Die wichtigste Veränderung liegt im Aufbau der Konkurrenz. Bei den Gemeindewahlen im Mai 2025 trat die STF in 26 Gemeinden mit eigenem Listenzeichen und in zwei weiteren Gemeinden als Freies Bündnis an. Darüber hinaus unterstützte sie Mitglieder auf Bürgerlisten in zehn Gemeinden. Diese Unterstützung ist von eigenen Listen und erfolgreich errungenen Mandaten zu unterscheiden. Besonders aussagekräftig sind die neun historisch erstmaligen Antritte:

Mai 2025
GemeindeListenstimmenMandateErgebnis
Villanders44,0 %7Starke Opposition
Martell23,6 %3Einzug
Moos in Passeier18,9 %3Einzug
Ratschings16,5 %3Einzug
Toblach6,7 %1Einzug
St. Leonhard in Passeier5,6 %1Einzug
Kastelruth5,4 %1Einzug
Sterzing4,1 %1Einzug
Brenner4,3 %0Einzug verfehlt

Acht dieser neun Antritte waren erfolgreich. Zusammen brachten sie 20 Gemeinderatsmandate. Die STF gewann damit zusätzliche örtliche Vertreter, die über die gesamte Amtsperiode Gemeindethemen bearbeiten, Anträge stellen und Kontakte aufbauen können.

Villanders zeigt, wie stark ein solcher Einstieg ausfallen kann: Mit 44 Prozent und sieben von 15 Sitzen wurde die STF auf Anhieb zu einer gewichtigen Gegenkraft. Die Gemeinde ist zugleich die Heimat des STF-Landtagsabgeordneten Hannes Rabensteiner. Das Ergebnis entstand somit in einem Ort mit bereits vorhandener politischer Bekanntheit und einer umfangreichen Kandidatenliste. Es lässt sich nicht als beliebig wiederholbarer Erstauftritt behandeln.

Auch Rückkehr und Neuordnung gehören zum Ausbau. In Eppan und Niederdorf gelang der Wiedereinzug. In Schnals kehrte die STF nach ihrer früheren Vertretung von 2015 bis 2020 zurück. In Natz-Schabs trat das bisherige Umfeld der Dörferliste nun ausdrücklich unter dem STF-Namen an. Dort wurde eine bestehende örtliche Mannschaft enger mit der Partei verbunden.

Der Zuwachs reicht in bestehende Vertretungen hinein

Die STF wächst auch in Gemeinden, in denen sie bereits vertreten war. In Tscherms stieg ihr Listenanteil von 7,2 auf 17,1 Prozent, in Laurein von 18,3 auf 25,8 Prozent. In Bruneck erhöhte sie sich von einem auf zwei Mandate, ebenso in Latsch. Das Freie Bündnis in Kastelbell-Tschars legte von drei auf fünf Sitze zu.

Vergleich: vorher → Mai 2025
GemeindeListenstimmenMandate
Tscherms7,2 → 17,1 %1 → 2
Laurein18,3 → 25,8 %2 → 3
Kastelbell-Tschars, Freies Bündnis23,3 → 33,9 %3 → 5
Latsch4,0 → 9,0 %1 → 2
Bruneck4,1 → 7,6 %1 → 2
Schlanders16,4 → 10,9 %3 → 2
Olang7,8 → 4,4 %1 → 1

Der Aufbau wird außerdem durch Bürgermeisterkandidaturen sichtbar. 2020 stellte die Bewegung sieben eigene Kandidaten für das Bürgermeisteramt, 2025 waren es 14. Damit vergrößert sie den Kreis jener Personen, die öffentlich einen Führungsanspruch für ihre Gemeinde formulieren.

Ein solcher Anspruch führt noch nicht zum Amt. In Kastelbell-Tschars erreichte Benjamin Pixner vom Freien Bündnis 46,9 Prozent bei der Bürgermeisterwahl und verfehlte den Sieg. Das Beispiel zeigt, dass örtlich bereits ernsthafte Konkurrenz entstehen kann, während die SVP das Rathaus weiterhin hält.

Die Entwicklung verläuft zudem nicht überall aufwärts. In Schlanders verlor die STF einen Sitz; in Olang sank ihr Stimmenanteil. Nach der Maiwahl meldete die Partei insgesamt 70 Gemeinderäte. Bei der Neuwahl in Stilfs im November 2025 fiel sie von fünf auf drei Mandate zurück. Ihr aktuelles Verzeichnis nennt deshalb 68 Gemeinderäte in 30 Gemeinden.

Die Grünen verbreitern ihre Präsenz, entwickeln sich aber uneinheitlich

Auch die Grünen – Verdi – Vërc erweitern ihre örtliche Präsenz. In den 111 Gemeinden der Maiwahl 2025 waren ausdrücklich grün benannte Listen in neun Gemeinden erfolgreich, gegenüber sechs bei den jeweils vorherigen Wahlen. Ihre Mandatszahl auf diesen Listen sank allerdings von 26 auf 24. Dazu gehören auch grüne Bürgerlisten und die gemeinsame Meraner Liste.

Bruneck ist ihr deutlichster Erfolg: Der Stimmenanteil stieg von 12,4 auf 16,9 Prozent, die Vertretung von drei auf fünf Sitze. In Gargazon und Welsberg-Taisten kamen neue grüne Listen in den Gemeinderat. Gleichzeitig verloren die bisherigen Listen in Bozen, Meran, Ritten und Vahrn Mandate. In Meran ist dabei die Veränderung des früheren Bündnisses mit dem Umfeld von Paul Rösch zu berücksichtigen.

Ihr Einfluss reicht über den Parteinamen hinaus. Die Grünen verweisen auch auf die ökosoziale Liste Pro Eppan, auf Deburiada in Abtei und auf die gewählte Grüne Heidi Stuffer auf der Bürgerliste in St. Ulrich. Solche Verbindungen erweitern ihre politischen Möglichkeiten. Die gesamten Mandate dieser Listen sind jedoch keine grünen Parteimandate.

Für die SVP bleiben die Grünen damit eine relevante örtliche Konkurrenz. Ihre Entwicklung ergibt aber ein anderes Bild als jene der STF: neue Vertretungen und einzelne deutliche Erfolge stehen Verlusten in mehreren bisherigen Schwerpunkten gegenüber.

Bürgermeistervertrauen ist keine Garantie für die Landespartei

Die letzte Landtagswahl markiert die Grenze der kommunalen Stärke. 2023 erreichte die SVP 34,5 Prozent und 13 der 35 Landtagsmandate. Die STF kam auf 10,9 Prozent und vier Mandate, die Grünen auf neun Prozent und drei Mandate. Die weitreichende Rathausdominanz der SVP hatte sich damit nicht in eine entsprechende Mehrheit im Landtag übersetzt.

Menschen können einem SVP-Bürgermeister ihre Stimme geben, weil sie seine Arbeit schätzen, und auf Landesebene eine andere Partei bevorzugen. Die unterschiedlichen Wahlergebnisse belegen keine individuellen Wählerströme. Sie zeigen jedoch, dass kommunale und landespolitische Zustimmung nicht gleichgesetzt werden dürfen.

Für die SVP entsteht daraus eine konkrete Aufgabe: Ihre Landespartei muss neben der örtlichen Amtsführung einen eigenen Grund bieten, sie zu wählen. Sie muss erkennbar machen, welchen Kurs sie für Wohnen, Mobilität, öffentliche Leistungen und die weitere Entwicklung Südtirols verfolgt.

Die wachsende örtliche Präsenz der STF kann diesen Wettbewerb verschärfen. Wo sie eigene Mannschaften aufbaut, werden ihre Positionen regelmäßig durch bekannte Menschen aus der Gemeinde vertreten. Das kann die Verbindung zwischen landespolitischer Zustimmung und örtlichem Vertrauen festigen. Ein automatischer Stimmengewinn folgt daraus ebenso wenig wie aus einem SVP-Bürgermeisteramt.

Politischer Befund

Die SVP bleibt Südtirols kommunale Führungspartei. Die Süd-Tiroler Freiheit baut jedoch eine breitere örtliche Organisation auf und gewinnt damit zusätzliche Möglichkeiten, ihre landespolitische Stärke dauerhaft zu verankern. Für die SVP entscheidet sich der Weg Richtung 2028 deshalb daran, ob sie das Vertrauen in ihre Bürgermeister und Gemeinderäte mit einem überzeugenden Kurs der Landespartei verbinden kann. Ihre Rathausdominanz ist dafür ein starkes Fundament; sie nimmt ihr diese politische Arbeit aber nicht ab.

Was bedeutet dieser Befund für Ihre Organisation?

Wir vertiefen die Lage vertraulich für Ihre konkrete politische Ausgangssituation.

Vertrauliche Vertiefung anfragen