Deutschlandsbergs Bürgermeister Josef Wallner (SPÖ) hat nach der Wahl 2025 sein Amt gehalten, seine frühere Machtstellung jedoch verändert. Seit einem Vierteljahrhundert prägt er die Stadtpolitik. Nun braucht er für Mehrheitsentscheidungen Partner. Christian Siderits (FPÖ) wurde erster Vizebürgermeister, Gunther Riedlsperger (ÖVP) zweiter. Das Arbeitsübereinkommen zwischen SPÖ und FPÖ gilt bis 2030. Daneben entstehen sachbezogene Mehrheiten, die über dieses Bündnis hinausreichen.
Bei der Gemeinderatswahl am 23. März 2025 erreichte SPÖ – Team Josef Wallner 45,77 Prozent und fünfzehn Mandate. Die Landsberger Volkspartei – Team Riedlsperger kam auf 24,59 Prozent und acht Sitze, die FPÖ auf 14,74 Prozent und vier. Die Grünen & Bürgerliste Deutschlandsberg erhielten 6,22 Prozent und zwei Mandate; Zukunft Deutschlandsberg – Team Marc Ortner erreichte 8,68 Prozent und ebenfalls zwei. Die SPÖ verlor fünf Sitze, ÖVP und FPÖ gewannen jeweils drei. Die Grünen halbierten ihren Mandatsstand. Die Wahlbeteiligung stieg auf 63,92 Prozent.
Eine veränderte Mehrheit, kein offenes Rathaus
Für die Mehrheit im 31-köpfigen Rat sind sechzehn Stimmen erforderlich. Rot und Blau verfügen gemeinsam über neunzehn Sitze. Wallner wurde mit zwanzig Stimmen zum Bürgermeister gewählt, Riedlsperger erhielt zehn. Damit ist die Rathausführung abgesichert. Der Verlust der SPÖ-Alleinmehrheit hat kein führungsloses Feld geschaffen.
Die FPÖ besitzt erheblichen Einfluss, ist aber rechnerisch nicht alternativlos. Auch mit einer der Zweierfraktionen könnte die SPÖ eine Mehrheit erreichen. Sämtliche übrigen Listen kommen zusammen auf sechzehn Sitze; politisch bilden sie deshalb noch kein gemeinsames Gegenbündnis. Ihr Verhältnis zum Bürgermeister unterscheidet sich nach Thema und Entscheidung.
Das zeigt die ÖVP besonders deutlich. Nach gescheiterten Gesprächen über eine Zusammenarbeit stand sie außerhalb des Arbeitsübereinkommens. Im Mai 2025 verlangte Riedlsperger nach dem Rechnungshofbericht Wallners Rücktritt. Trotzdem unterstützte seine Partei später den Budgetvoranschlag 2026 und den Rechnungsabschluss 2025. Deutschlandsberg hat somit eine vereinbarte Regierungsmehrheit und daneben einen breiteren finanzpolitischen Kompromiss.
Personelle Erneuerung mit unterschiedlichen Folgen
Riedlsperger übernahm die ÖVP-Stadtführung im November 2024. Als Versicherungsmakler bringt er einen beruflichen Hintergrund aus der Wirtschaft ein; mit acht Mandaten und dem Vizebürgermeisteramt verfügt seine Fraktion über eine erkennbare Basis. Ihre Rolle bleibt doppelt: Sie kann Wallners Führung angreifen und zugleich Entscheidungen mittragen. Ihr Profil hängt davon ab, ob diese Unterscheidung öffentlich nachvollziehbar wird.
Bei der FPÖ löste Siderits vor der Wahl Michael Wallner (FPÖ) an der Spitze ab. Dieser führt heute den Ausschuss für Verkehr, Mobilität und Sicherheit. Siderits ist stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für Umwelt, Wirtschaft, Raumplanung, Stadtentwicklung und Beteiligungen. Die Freiheitlichen verfügen damit über mehrere Akteure mit konkreten Zuständigkeiten. Veranstaltungen der Stadtorganisation Deutschlandsberg/Frauental dokumentieren zudem Aktivität außerhalb des Rates. Daraus folgt aber noch keine Bewertung ihrer gesamten organisatorischen Stärke.
Maria Huber (Grüne & Bürgerliste) führt den Prüfungsausschuss und ist als Grünen-Bezirkssprecherin mit der Landespolitik verbunden. Ihr Einfluss reicht damit über die beiden Ratsmandate hinaus. Die Wahlkampfliste umfasste acht Personen; kommunal sitzen Huber und Wolfgang Rauch (Grüne & Bürgerliste) im Rat. Der Mandatsverlust begrenzt ihren Einfluss bei Abstimmungen, beseitigt aber weder ihre Kontrollmöglichkeiten noch ihre thematische Anschlussfähigkeit.
Bei Marc Ortner (ZDL) ist die Entwicklung komplizierter. Er kam aus den Grünen und trat mit einer eigenständigen Bürgerliste an. Das begründet keine heutige Zuordnung zu einer Landtagspartei. Im Dezember 2025 wurde ein Zerwürfnis mit Mitgründer Wolfgang Galler öffentlich. Das Parteienregister führt inzwischen zwei ähnlich benannte Organisationen unter unterschiedlichen Obmännern. Für die Ratsliste sind Ortner und Angelika Ferretti (ZDL) ausgewiesen. Die ursprüngliche Gründungsmannschaft kann deshalb nicht mehr pauschal als geschlossenes Team gelten.
Die FPÖ: Vom Zuspruch zur kommunalen Verantwortung
Die Wahlkette zeigt den Unterschied zwischen überregionaler Stimmung und örtlicher Bindung. In Deutschlandsberg lag die FPÖ bei der Europawahl 2024 mit 29,28 Prozent vorne, bei der Nationalratswahl mit 34,25 und bei der Landtagswahl mit 36,44 Prozent. Die SPÖ erreichte dort 24,69, 21,51 und 26,50 Prozent. Kommunal blieb sie mit 45,77 Prozent deutlich stärker, die FPÖ mit 14,74 Prozent wesentlich schwächer. Bei der Europawahl wurden zudem Wahlkarten teilweise separat auf Bezirksebene ausgewertet.
Diese Unterschiede sind keine nachgewiesene Wählerwanderung. Sie zeigen aber, wie viel örtliche Mannschaft und Rathausführung ausmachen. Für die FPÖ ist das Bündnis eine Chance, über den allgemeinen Zuspruch hinaus kommunale Erfahrung, Personal und sichtbare Leistungen aufzubauen. Für die SPÖ entsteht damit ein strategisches Risiko: Sie stärkt einen möglichen künftigen Konkurrenten.
Umgekehrt trägt die FPÖ nun Verantwortung für den gemeinsamen Kurs. Sie kann Einsparungen und Verzögerungen schwerer ausschließlich dem Bürgermeister zurechnen. Das Bündnis kann sie stärken oder ihre Gegenkraftrolle schwächen. Eine belastbare aktuelle kommunale Parteienumfrage liegt für diesen Befund nicht vor; die Wahlwerte ersetzen keine Messung heutiger Zustimmung.
Der Sparkurs verändert auch die politische Bilanz
Der Rechnungshof kritisierte im Mai 2025 geringe finanzielle Spielräume und Strukturen bei Beteiligungen. Seine Prüfung betraf vor allem 2020 bis 2023. Er empfahl, einzelne Gesellschaften aufzulösen und Aufgaben zurück in die Verwaltung zu führen. Auch Doppelfunktionen, die Kontrolle des Wirtschaftsentwicklungsvereins und die Risikoabwägung bei Grundstücksgeschäften standen im Mittelpunkt.
Die Kritik hat Wallners politische Angriffsfläche vergrößert. ÖVP, Grüne und ZDL verlangten damals Konsequenzen. Die Stadt meldete ihrerseits Maßnahmen, darunter eine Wassergebührenerhöhung um fünfzehn Prozent ab Anfang 2025 und zusätzliche Zuständigkeit für Beteiligungsmanagement. Entscheidend bleibt, welche strukturellen Änderungen daraus tatsächlich entstehen.
Der Abschluss 2025 brachte eine Verbesserung des Nettoergebnisses nach Haushaltsrücklagen gegenüber dem Voranschlag um 783.700 Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung sank auf 1.375,08 Euro. SPÖ, ÖVP und FPÖ stimmten zu. Höhere Einnahmen, geringere Ausgaben und Sondereffekte wurden als Gründe genannt. Die Verbesserung ist ein Fortschritt, belegt für sich allein aber keinen dauerhaft ausgeglichenen Haushalt.
Hier liegt die empfindlichste Stelle des Bündnisses. Bürgermeister und Finanzstadtrat Markus Pinter (SPÖ) stehen sichtbar für Gebühren und Sparkurs. Sollte die FPÖ eigene Projekterfolge hervorheben, während Belastungen hauptsächlich an der SPÖ hängen bleiben, könnte die gemeinsame Regierung politisch ungleich bewertet werden. Das ist ein Risiko, keine belegte Absicht des Partners.
Hinzu kommt die Profilfrage: Die SPÖ muss in der Zusammenarbeit erkennbar bleiben. Verschwindet ihre Eigenständigkeit, kann sie Zustimmung verlieren; werden Gegensätze öffentlich ausgetragen, wächst der Druck auf das Bündnis. Konflikte auf Landesebene können diese Spannung verstärken.
Eine große Gemeinde braucht mehr als einen sanierten Hauptplatz
Deutschlandsberg hatte am 1. Jänner 2026 11.675 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Zusätzlich waren 1.469 Nebenwohnsitzfälle registriert. Das Gemeindegebiet umfasst rund 179 Quadratkilometer. Stadtzentrum und weiter entfernte Ortsteile stellen deshalb unterschiedliche Anforderungen an Erreichbarkeit und Versorgung.
Zuzug hat die Bevölkerungsentwicklung über längere Zeit gestützt: Zwischen 2011 und 2021 stand einer negativen Geburtenbilanz von 300 Personen eine positive Wanderungsbilanz von 687 gegenüber. Anfang 2025 lebten 1.247 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in der Stadt, rund 10,6 Prozent der damaligen Bevölkerung. Staatsangehörigkeit und Migrationsgeschichte sind unterschiedliche Merkmale. Die Zahlen begründen keine Erklärung einzelner Wahlergebnisse, zeigen aber die Bedeutung von Wohnen, Betreuung und gesellschaftlicher Einbindung.
Die Hauptplatzsanierung macht kommunale Arbeit sichtbar und belastet während der Bauzeit Anrainer und Betriebe. Für die letzte Etappe war eine Sperre vom 10. August bis voraussichtlich 12. Oktober 2026 vorgesehen. Politisch zählt anschließend, welchen Nutzen das Zentrum gewinnt und wie die übrigen Ortsteile bei Investitionen berücksichtigt werden.
Bei der Koralmbahn wird die Verbindung zwischen regionaler Chance und kommunaler Umsetzung greifbar. Huber begründete im April die Ablehnung des Rechnungsabschlusses mit der aus ihrer Sicht verspäteten Radwegverbindung zum Bahnhof Weststeiermark. Für die Grünen verbinden sich hier Kontrolle und ein konkretes Mobilitätsthema. Für die Mehrheit geht es darum, den Infrastrukturgewinn durch funktionierende Zubringer tatsächlich nutzbar zu machen.
Politischer Befund:
Wallners Macht beruht heute auf der weiterhin stärksten Ratsfraktion, dem SPÖ–FPÖ-Abkommen und zusätzlicher ÖVP-Unterstützung bei zentralen Finanzentscheidungen. Die ÖVP ist die stärkste Gegenkraft außerhalb des Bündnisses, trägt den Finanzkurs jedoch mit. Grüne und ZDL setzen andere Schwerpunkte und bilden kein geschlossenes Gegenlager. Der breite Budgetkompromiss erleichtert die Konsolidierung; ein gemeinsames politisches Zukunftsbild entsteht daraus noch nicht.
Für die SPÖ liegt das größere strategische Risiko innerhalb des Bündnisses: Die FPÖ erhält Ämter, Erfahrung und Sichtbarkeit, während Wallner für den Sparkurs einsteht. Bleiben dauerhafte finanzielle Verbesserungen und sichtbare Investitionserfolge aus, könnte die SPÖ den höheren politischen Preis zahlen – und ihr Partner kommunal gestärkt aus der Zusammenarbeit hervorgehen. Wallner hat seine Führung abgesichert. Ob er damit auch seine politische Stellung erneuert, entscheidet sich daran, wem die Ergebnisse des gemeinsamen Kurses zugerechnet werden.

