Ein starkes Bürgermeistermandat, neun Listen im Gemeinderat
Bei der Gemeinderatswahl 2022 erreichte „Alle für Imst mit Stefan Weirather“ 25,39 Prozent und fünf der 19 Mandate. „Inser Darhuam“ wurde mit 20,52 Prozent und vier Mandaten zweitstärkste Kraft. „Initiativ für Imst – Liste Andrea Jäger“ kam auf 11,52 Prozent und drei Mandate, das SPÖ-nahe „Fokus Imst“ von Richard Aichwalder auf 8,88 Prozent und zwei Mandate. „Vereint für Imst“ von Manuel Norbert Praxmarer erhielt 8,67 Prozent, die Grünen 7,23 Prozent, MFG 7,13 Prozent, die FPÖ 5,58 Prozent und „Gemeinsam für unser Imst Team Friedl“ 5,07 Prozent – jeweils ein Mandat. Das ist der Wahlstand von 2022; spätere personelle Brüche sind davon getrennt zu betrachten.
Die Listenlandschaft lässt sich nur teilweise entlang der Landesparteien ordnen. Weirather gehört zur ÖVP; auch „Vereint für Imst“ hat Wurzeln in der Imster Volkspartei. „Fokus Imst“ ist sozialdemokratisch verankert. „Inser Darhuam“ tritt mit einem eigenständigen kommunalen Profil auf. IFI und „Team Friedl“ lassen sich anhand der geprüften Belege keiner Landtagspartei eindeutig zuordnen.
Bei der Bürgermeisterwahl erhielt Weirather im ersten Wahlgang 45,31 Prozent, Andrea Jäger (IFI) 16,21 Prozent. In der Stichwahl setzte er sich mit 65,55 Prozent gegen Jägers 34,45 Prozent durch. Dabei sank die Wahlbeteiligung von rund 62 Prozent auf 48,48 Prozent. Sein persönlicher Rückhalt reichte deutlich über die Zustimmung zu seiner Liste hinaus.
Weirather gewinnt seine Mehrheiten im Gemeinderat
Für eine absolute Mehrheit sind zehn Mandate erforderlich. Weirathers Liste besitzt fünf. Er muss daher Unterstützung bei anderen Fraktionen finden.
Bei wichtigen Entscheidungen gelingt ihm das. Der Voranschlag 2026 erhielt 18 Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme. Zahlreiche weitere Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Das belegt eine arbeitsfähige Zusammenarbeit, aber keine geschlossene politische Koalition hinter dem Bürgermeister.
Darin liegt seine Stärke: Solange die anderen Listen an Entscheidungen mitwirken, aber keine gemeinsame Führungsalternative entwickeln, bleibt das Bürgermeisteramt der verbindende Mittelpunkt. Die übrigen Fraktionen können eigene Anliegen durchsetzen. Weirather kann die gemeinsam beschlossene Politik als Bilanz seiner Amtsführung vertreten.
Für seine Konkurrenz entsteht damit ein schwieriger Auftrag. Sie muss erklären, welche Ergebnisse sie selbst erreicht hat und an welchen entscheidenden Punkten sie die Stadt anders führen würde. Allgemeine Unzufriedenheit mit dem Bürgermeister reicht dafür nicht.
„Inser Darhuam“ muss aus dem Aufbruch eine Bilanz machen
„Inser Darhuam“ verfügt über vier Mandate und stellt mit Marco Seelos (Inser Darhuam) den zweiten Vizebürgermeister. Damit hat die Liste die stärkste zahlenmäßige Ausgangsbasis neben der Bürgermeisterfraktion und trägt sichtbar Verantwortung.
Ihr ursprüngliches Angebot war ein kommunaler Aufbruch: neue Perspektiven, Transparenz, Mitsprache und eine zusammenhängende Stadtentwicklung. Im Programm von 2022 standen ein Gesamtkonzept für die Innenstadt, leistbarer Wohnraum, sinnvoll genutzte Plätze sowie zusätzliche Bildungs- und Freizeitangebote.
Nach mehreren Jahren im Gemeinderat zählt jedoch, was daraus geworden ist. Die Liste wird daran gemessen werden, welche Vorhaben sie vorangebracht hat und welche Unterschiede zur Führung Weirathers bestehen.
2022 stellte „Inser Darhuam“ keinen Bürgermeisterkandidaten. Eine künftige Kandidatur von Seelos oder einer anderen Person ist damit noch nicht entschieden. Die politische Möglichkeit liegt aber auf der Hand: Aus der zweitstärksten Liste könnte eine Führungsalternative entstehen. Dafür braucht es neben einer Person auch eine nachvollziehbare Bilanz und wenige klare Prioritäten.
Jäger hat Erfahrung, „Fokus Imst“ einen anderen Zugang
Andrea Jäger besitzt die Erfahrung einer Bürgermeisterstichwahl und führt „Initiativ für Imst“ (IFI), eine Liste, die 2022 drei Mandate erreichte. Ihr damaliger Schwerpunkt lag auf Baupolitik, Stadtbild und Lebensqualität. Diese Fragen bleiben für die Entwicklung von Imst wesentlich.
Ihr Stichwahlergebnis begründet allerdings keinen automatischen Anspruch auf die nächste Herausfordererrolle. 2022 gewann sie gut ein Drittel der gültigen Stimmen. Ein neuer Anlauf müsste deshalb ein breiteres Angebot erkennen lassen: Welche Entwicklung soll Imst nehmen, welche Vorhaben haben Vorrang und mit wem würde sie diese Politik tragen?
Richard Aichwalder (SPÖ), Stadtrat und Kopf von „Fokus Imst“, hat einen anderen Ausgangspunkt. Die Liste verbindet sozialdemokratische Verankerung mit einem offenen kommunalen Namen. 2024 übergab Aichwalder den Stadtparteivorsitz an Süleyman Kilic und erklärte, seine Arbeit für die Stadt und seine Gemeinderatsfraktion zu intensivieren.
Kinderbetreuung war bereits 2022 ein zentraler Schwerpunkt. Darin liegt ein konkreter Zugang zur Alltagspolitik: Betreuung, Schule, Wohnen und verlässliche kommunale Leistungen. Mit zwei Mandaten hat „Fokus Imst“ eine Basis für dieses Profil. Ein Führungsanspruch für die gesamte Konkurrenz folgt daraus noch nicht.
Die FPÖ hat Stimmenpotenzial – ihre Mannschaft bleibt die offene Frage
Die überregionalen Wahlen zeigen eine deutliche Verschiebung. Bei der Landtagswahl 2022 erhielt die FPÖ in der Stadt Imst 20,75 Prozent, die ÖVP 34,94 Prozent und die SPÖ 16,91 Prozent. Bei der Europawahl 2024 lagen FPÖ und ÖVP mit jeweils 26,47 Prozent gleichauf. Bei der Nationalratswahl 2024 wurde die FPÖ mit 30,90 Prozent stärkste Partei vor ÖVP mit 27,23 Prozent und SPÖ mit 15,96 Prozent.
Daraus folgt keine vergleichbare Stärke bei der nächsten Gemeinderatswahl. Die örtliche FPÖ hat wiederholte personelle Brüche erlebt. Christian Gasser, der 2022 ihr einziges Gemeinderatsmandat gewann, wurde noch im selben Jahr aus der Partei ausgeschlossen und kündigte an, im Gemeinderat zu bleiben. Die weiterhin auf der Gemeindewebsite geführte Wahlgruppenbezeichnung belegt keine Wiederaufnahme.
Mit dem 2023 gewählten Stadtparteiobmann Patrick Hirschegger (FPÖ) und einem damals achtköpfigen Vorstand ist ein organisatorischer Kern dokumentiert. Hirschegger ist auch als FPÖ-Kammerrat der Arbeiterkammer Tirol ausgewiesen. Helmuth Hirschegger und Claudia Mang kandidierten bei der Nationalratswahl 2024; Helmuth Hirschegger erhielt in Imst auf Regionalwahlkreisebene 192 Vorzugsstimmen. Es gibt somit Funktionäre und zumindest punktuell messbaren persönlichen Zuspruch.
Eine breite, stabile Kandidatenmannschaft für die nächste Stadtwahl ist damit noch nicht nachgewiesen. Für Weirather ist die FPÖ ein möglicher Konkurrent um Stimmen. Als personell tragfähige Alternative für die Stadtführung ist sie bislang nicht ausreichend belegt.
Die Innenstadt wird zum Prüfstein der Bilanz
Mit dem Decorona Quartier erhält die Kramergasse ein konkretes Entwicklungsprojekt. Die im März 2026 vorgestellten Planungen umfassen 50 Wohnungen, Geschäfts- und Dienstleistungsflächen, Gesundheitsangebote, einen Kinderhort und Gastronomie. Historische Gebäude sollen eingebunden werden. Das Vorhaben verspricht zusätzliche Nutzungen und Frequenz; seine tatsächliche Wirkung muss sich erst zeigen.
Politisch zählt, ob daraus eine besser funktionierende Innenstadt entsteht. Neue Gebäude allein beantworten noch nicht, wie bestehende Betriebe profitieren, wie Wege und Plätze zusammenspielen und ob Menschen häufiger ins Zentrum kommen und dort bleiben.
In diese Bilanz gehören auch der bereits neu gestaltete Sparkassenplatz und die im März 2026 beschlossene Erweiterung des Widumparkplatzes. Dort wurden neben zusätzlichen Stellplätzen Fußwege, Radabstellmöglichkeiten und Entsiegelung angekündigt. Fertiggestelltes, Beschlossenes und Geplantes müssen dabei getrennt bleiben.
Für Weirather liegt hier die Möglichkeit einer sichtbaren Amtsbilanz. Für die anderen Listen liegt hier die Frage nach ihrem eigenen Beitrag – und danach, ob sie eine weitergehende Vorstellung von Stadtentwicklung anbieten.
Das Budget zwingt zur Entscheidung über Prioritäten
Nach Darstellung der Stadt wurde der Voranschlag 2026 ohne Abgang und Neuverschuldung erstellt. Dafür sind unter anderem 600.000 Euro Gewinnentnahme aus den Stadtwerken und Einsparungen beim Personal vorgesehen. Der Schuldenstand soll auf 25,7 Millionen Euro sinken. Das sind Planwerte, keine abgeschlossene Jahresbilanz.
Ein ausgeglichenes Budget beantwortet noch nicht, welche Zukunftsvorhaben rechtzeitig umgesetzt werden. Umgekehrt ist jede zusätzliche Forderung daran zu messen, wie sie finanziert werden soll.
Im März 2026 beschloss der Gemeinderat, eine dreijährige Fristverlängerung für die Erneuerung des örtlichen Raumordnungskonzepts zu beantragen. Die Stadt verweist auf die Einschätzung ihres Raumplaners, wonach kein dringender Änderungsbedarf bestehe. Politisch bleibt die Frage, wie Wohnen, Verkehr, Innenstadt und Infrastruktur langfristig zusammengeführt werden.
Hier kann sich eine Alternative sachlich unterscheiden: durch andere Prioritäten, einen nachvollziehbaren Zeitplan und eine Finanzierung, die über den Wunschzettel hinausgeht.
Politischer Befund
Die 2022 begonnene sechsjährige Wahlperiode führt regulär zur nächsten Wahl 2028. Bis dahin wird sich zeigen, welche Listen ihre Mitarbeit in eine eigene politische Bilanz übersetzen können.
Weirather verfügt über den persönlichen Rückhalt aus der Bürgermeisterwahl und organisiert bei wichtigen Entscheidungen breite Zustimmung. Seine Konkurrenz kann sich deshalb schwer allein über Kritik an gemeinsam beschlossenen Vorhaben profilieren.
Weirathers Vorteil ist die zersplitterte Konkurrenz. „Inser Darhuam“ hat mit vier Mandaten und Vizebürgermeister Marco Seelos die stärkste Ausgangsbasis für eine Alternative, muss aber zeigen, was sie selbst bewirkt hat und wo sie Imst anders führen würde. Jägers Stichwahlergebnis von 2022 begründet keinen automatischen Anspruch auf einen zweiten Anlauf. Bei der FPÖ ist das Stimmenpotenzial größer als die bisher belegte kommunale Mannschaftsstärke. Solange mehrere Listen um die Herausfordererrolle konkurrieren, ohne ein überzeugendes Angebot für die Stadtführung zu entwickeln, bleibt Weirather im Vorteil.

