Der Machtwechsel in Zell am See liegt inzwischen mehr als sieben Jahre zurück. Andreas Wimmreuter (SPÖ) ist längst kein neuer Bürgermeister mehr. Die Wahl 2024 bestätigte seine persönliche Stellung und verschob auch die Kräfteverhältnisse in der Gemeindevertretung zugunsten seiner Partei.

Trotzdem ist daraus keine politische Alleinstellung entstanden. Die SPÖ führt mit elf von 25 Mandaten. Die anderen Fraktionen besitzen eigene personelle und organisatorische Grundlagen. Zugleich zeigen die öffentlich dokumentierten Auseinandersetzungen, dass sich örtlicher Widerstand nicht vollständig entlang der Parteigrenzen ordnet.

Aus dem Machtwechsel ist eine gefestigte Rathausführung geworden

2019 gewann Wimmreuter die Stichwahl gegen den damaligen Bürgermeister Peter Padourek (ÖVP) mit 57,58 Prozent. Im ersten Wahlgang hatte er noch hinter Padourek gelegen. Der Wechsel im Bürgermeisteramt entstand damit durch eine Mehrheit, die über das damalige Listenergebnis der SPÖ hinausreichte.

2024 erreichte Wimmreuter bereits im ersten Wahlgang 53,34 Prozent. Salome Mühlberger (ÖVP) kam auf 35,32 Prozent, Werner Hörl (Grüne Bürgerliste, organisatorisch bei den Salzburger Grünen eingebunden) auf 11,34 Prozent. Wimmreuter legte gegenüber seinem ersten Wahlgang 2019 um rund 12,5 Prozentpunkte zu.

Auch seine Partei gewann hinzu. Die SPÖ überholte die ÖVP und wurde stärkste Fraktion:

Partei/ListeErgebnis 2019Ergebnis 2024Mandate 2019 → 2024
SPÖ39,9 %44,16 %10 → 11
ÖVP41,8 %33,34 %11 → 8
Grüne Bürgerliste14,3 %11,35 %3 → 3
FPS 2019 / FPÖ 20244,0 %11,15 %1 → 3

2019 trat die FPS an, 2024 die FPÖ; die Ergebnisse betreffen unterschiedliche Parteiorganisationen.

Die Verschiebung ist deutlich: Die ÖVP verlor drei Mandate, die SPÖ gewann eines. Die Grüne Bürgerliste hielt ihre drei Sitze trotz eines niedrigeren Stimmenanteils. Die FPÖ zog ebenfalls mit drei Mandaten ein.

Wimmreuters persönliche Mehrheit ist damit stärker als die Stellung seiner Fraktion. Für eine absolute Mandatsmehrheit fehlen der SPÖ zwei Sitze. Das Rathaus besitzt eine klare Führung; die Gemeindevertretung bleibt auf Zusammenarbeit angewiesen.

Dass diese Zusammenarbeit bei gewichtigen Entscheidungen funktioniert, zeigt die Übertragung der städtischen Anteile an den Tauernkliniken an das Land Salzburg. Die Gemeindevertretung beschloss sie im November 2025 einstimmig. Der Beschluss belegt eine breite Sachmehrheit, ohne daraus ein dauerhaftes Bündnis für sämtliche Fragen abzuleiten.

Die ÖVP ist geschwächt, aber weiterhin breit aufgestellt

Mühlberger blieb nach der verlorenen Bürgermeisterwahl erste Vizebürgermeisterin. Christof Mayr (SPÖ) ist zweiter Vizebürgermeister. Die ÖVP trägt damit weiterhin Verantwortung in der Stadtführung und steht gleichzeitig in Konkurrenz zum Bürgermeister.

Ihre Organisation beschränkt sich nicht auf Mühlberger. Beim Stadtparteitag im März 2026 wurde Josef Hutter (ÖVP) als Obmann bestätigt. Zum Führungsteam gehören unter anderem Stadtrat und Fraktionsführer Armin Trixl (ÖVP) sowie Stadträtin Silvia Schuster (ÖVP). Mühlberger ist ebenfalls im Parteipräsidium vertreten.

Parteiführung, Fraktionsführung und Bürgermeisterstellvertretung verteilen sich somit auf mehrere Personen. Die Niederlage von 2024 hat die ÖVP politisch zurückgesetzt, ihre örtliche Organisation aber nicht aufgelöst.

Acht Mandate machen sie zur deutlich stärksten Kraft neben der SPÖ. Eine alternative absolute Mehrheit ohne die SPÖ wäre rechnerisch nur unter Einbeziehung beider kleinerer Fraktionen möglich. Ein entsprechendes politisches Bündnis ist damit nicht belegt.

Die Grüne Bürgerliste verfügt über ein eigenes Profil

Die Grüne Bürgerliste ist organisatorisch bei den Salzburger Grünen eingebunden. Hörl ist Sprecher und Stadtrat; Christian Volgger (Grüne Bürgerliste) und Fidelius Krammel (Grüne Bürgerliste) gehören als Gemeindevertreter zum ausgewiesenen Team.

Ihre veröffentlichten Positionen betreffen insbesondere Bodenpolitik, Zweitwohnungen und Apartmentbauten, größere Grünflächen sowie Verkehrs- und Ortsteilfragen. Damit ist sie bei Auseinandersetzungen um die Nutzung des Gemeindegebiets inhaltlich erkennbar.

Ihre institutionelle Einbindung reicht zurück: Nach dem Bürgermeisterwechsel 2019 erhielt sie im Rahmen einer fraktionsübergreifenden Ressortaufteilung den Bau- und Raumplanungsausschuss. Damals wurde eine Zusammenarbeit unter Einbindung aller Fraktionen vereinbart.

Mit drei Mandaten besitzt sie heute eine mögliche Mehrheitsfunktion für die SPÖ. Ihre eigenen Positionen können zugleich zu Differenzen bei konkreten Projekten führen. Aus der rechnerischen Nähe entsteht deshalb noch keine dauerhafte politische Bindung.

Die FPÖ besitzt mehr Wählerpotenzial, als ihre drei Mandate zeigen

Mit Tamara Hauenschild (FPÖ) verfügt die Partei über eine Stadträtin. Hauenschild wurde im Juni 2025 außerdem zu einer Stellvertreterin des Pinzgauer Bezirksparteiobmanns gewählt. Damit besteht eine dokumentierte personelle Verbindung zwischen kommunaler Vertretung und Bezirksorganisation.

Die verschiedenen Wahlgänge zeigen ein breiteres politisches Bild als die Gemeindevertretungswahl allein:

Wahl in der StadtgemeindeSPÖÖVPFPÖ
Landtagswahl 202325,09 %29,56 %25,93 %
Gemeindevertretungswahl 202444,16 %33,34 %11,15 %
Europawahl 202428,0 %24,6 %25,1 %
Nationalratswahl 202420,72 %30,29 %27,68 %

Die Werte beziehen sich auf die Stadtgemeinde Zell am See. Wahlberechtigung, Beteiligung und Wahlgegenstände unterscheiden sich; individuelle Wählerwanderungen lassen sich daraus nicht ableiten.

Die FPÖ erreicht bei den überörtlichen Wahlgängen jeweils ungefähr ein Viertel der Stimmen oder mehr. Kommunal bleibt sie deutlich darunter. Die SPÖ wiederum ist bei der Gemeindevertretungswahl erheblich stärker.

Diese Differenz spricht für die Bedeutung des örtlichen Personals und Angebots. Sie zeigt außerdem ein mögliches Wachstumspotenzial der FPÖ. Eine entsprechende kommunale Mobilisierung oder eine persönliche Herausforderung des Bürgermeisters ist damit noch nicht nachgewiesen.

In Thumersbach entsteht Gegenkraft außerhalb der Parteien

Das Hubertushof-Projekt zeigt, dass örtliche Auseinandersetzungen eine eigene politische Dynamik besitzen. Ende September 2026 plante der Bauträger Leitgöb auf dem ehemaligen Hotelareal 74 Wohnungen. Zum Berichtszeitpunkt am 26. September lief der Abbruch; der Baubescheid war noch nicht ausgestellt.

Die Bürgerinitiative um den Architekten Andreas Schmid wendet sich gegen die Größe des Vorhabens. Sie lehnt Wohnbau dort nicht grundsätzlich ab, sondern nennt 50 Wohnungen als akzeptable Größenordnung. Bei der jüngsten Bauverhandlung brachte sie 14 Einwendungen vor. Wimmreuter erklärte, diese würden geprüft.

Hier steht eine organisierte örtliche Vorstellung von Entwicklung jener des Bauträgers gegenüber. Die Initiative lässt sich ohne weitere Belege keiner Fraktion zurechnen. Ihr Einfluss entsteht durch die Mobilisierung im Ortsteil und die Beteiligung am Verfahren.

Damit reicht die politische Auseinandersetzung über die Mandatsverteilung hinaus. Allgemeine Zustimmung zu Wohnbau beantwortet noch nicht die Frage nach der Akzeptanz eines konkreten Projekts.

Die Schulsanierung folgt auf öffentlichen Druck

Im Dezember 2025 wurden Räume in Volks- und Musikmittelschule gesperrt. Es gab Aufregung bei Lehrpersonal, Eltern und Schülern sowie Forderungen der Bildungsdirektion nach Nachbesserungen am Sanierungskonzept. Die Stadt stand als Schulerhalterin unter Druck. Wimmreuter verwies auf durchgeführte Kontrollen und erklärte die Sanierung zur Priorität.

Der spätere Befund gehört zur Einordnung dazu: Im Juni 2026 wurde berichtet, erhöhte Schimmelbelastungen hätten bei den Messungen nicht nachgewiesen werden können. Die Generalsanierung wurde mit einem Kostenrahmen von 15 Millionen Euro angekündigt. Im Juli erfolgte der Spatenstich; die Fertigstellung ist für September 2027 vorgesehen.

Die politische Bewertung hat sich damit vom Zustand des Gebäudes und der Frage nach Verantwortung zur Umsetzung verschoben. Die Stadtführung kann den begonnenen Umbau vorweisen. Sein Abschluss und die Erfahrungen während der Bauzeit stehen noch aus.

Am Schafkopf wirkten wirtschaftliche und politische Interessen zusammen

Die Windparkidee am Schafkopf löste im Sommer 2025 Widerstand touristischer Akteure aus. Sie verwiesen auf die Landschaft und mögliche Folgen für die Region.

Im August sprach sich die Gemeindevertretung der Nachbargemeinde Bruck mehrheitlich gegen das Vorhaben aus. Auch die Zeller SPÖ lehnte es ab. Die Projektidee wurde nicht weitergetragen.

Der abgeschlossene Konflikt zeigt die Bedeutung konkreter örtlicher Interessen. Allgemeine parteipolitische Positionen zu Energie und Klimaschutz erklärten die Entscheidung nur begrenzt. Landschaft, wirtschaftliche Erwartungen und die Haltung der Nachbargemeinde bestimmten den Verlauf mit.

Politischer Befund

Zell am See wird von einem persönlich gefestigten SPÖ-Bürgermeister geführt, dessen Fraktion weiterhin Partner für Mehrheiten benötigt. Die ÖVP bleibt organisatorisch und institutionell bedeutend, die Grüne Bürgerliste besitzt ein eigenständiges örtliches Profil und die FPÖ ein bisher nur teilweise kommunal wirksames Wählerpotenzial. Hinzu kommen Gegenkräfte außerhalb der Parteien, die bei einzelnen Vorhaben Einfluss gewinnen. Wimmreuters Rückhalt ist deutlich; eine allgemeine Zustimmung zu allen Entscheidungen der Stadtführung lässt sich daraus nicht ableiten.