Christoph Stolz vor dem Hafen von Ludwigshafen am Bodensee
Christoph Stolz (parteilos), Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen. Foto: Gemeinde Bodman-Ludwigshafen.

Zwei Ortsteile, ein gemeinsamer Maßstab

Bodman-Ludwigshafen verbindet die attraktive Lage am Überlinger See mit den Anforderungen einer Wohngemeinde. Der Tourismus trägt Gastronomie, Beherbergung und Freizeitangebote. Gleichzeitig beanspruchen Dauerwohnen, Feriennutzung und Zweitwohnungen denselben begrenzten Raum. Seit Anfang 2026 wird die Gemeinde vom Land als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt geführt. Wohnraum ist damit eine zentrale Aufgabe der Ortsentwicklung.

Die beiden Ortsteile bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Ludwigshafen verfügt über den Bahnanschluss und steht mit der Erneuerung des Unterdorfs vor einer größeren städtebaulichen Aufgabe. In Bodman gehören die Entwicklung der Kapellenäcker und das Museumsprojekt zu den sichtbaren Vorhaben. Der Ein-Euro-Bus verbindet beide Orte bereits mit einem gemeinsamen Alltagsangebot.

Daraus folgt ein politischer Maßstab: Beide Ortsteile brauchen einen erkennbaren Nutzen, aber nicht zwingend dieselben Projekte. Eine gleiche Verteilung von Einzelinvestitionen wäre noch keine gemeinsame Entwicklung. Entscheidend ist, ob Wohnen, Versorgung, Mobilität und öffentliche Einrichtungen zusammenpassen.

Beim Wohnen zählt die tatsächliche Nutzung

Die Gemeinde hat wohnungspolitische Grundsätze beschlossen, die sozialen Wohnungsbau unterstützen und die weitere Zunahme von Zweit- und Ferienwohnungen begrenzen sollen. Das Leitbild ergänzt diese Richtung: unterschiedliche Wohnformen ermöglichen, den Charakter der Ortsteile erhalten und die Zahl der Zweitwohnungen reduzieren. Das Ziel einer Reduktion um fünf Prozent wird auf der kommunalen Umsetzungsübersicht bislang als noch nicht begonnen ausgewiesen.

Damit reicht die politische Frage über die Zahl neuer Wohnungen hinaus. Eine zusätzliche Wohnung entlastet den örtlichen Wohnungsmarkt vor allem dann, wenn sie dauerhaft bewohnt wird und für die gesuchten Haushalte erreichbar ist. Hochpreisiges Eigentum, eine Ferienwohnung und eine bezahlbare Mietwohnung erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse.

Einen weiteren Ansatz brachte Daniel Schreiber von der Zukunftsinitiative Bodman-Ludwigshafen in den Gemeinderat: gemeinschaftliches, altersgerechtes Wohnen nach einem Beispiel aus Frickingen. Kleinere barrierefreie Wohnungen könnten älteren Menschen einen Umzug innerhalb ihres vertrauten Umfelds ermöglichen und größere Wohnungen oder Häuser für Familien freimachen. Eine Bedarfsabfrage wurde vorbereitet. Ein fertiges Bauprojekt ist daraus noch nicht geworden.

Dieser Ansatz hat politische Bedeutung, weil er Generationeninteressen verbinden kann. Ältere Menschen gewinnen eine passende Wohnform, Familien möglicherweise Zugang zum Bestand. Ob das vor Ort funktioniert, hängt allerdings von Grundstücken, Finanzierung und tragbaren Wohnkosten ab.

Unterschiedliche Vorhaben müssen zusammenwirken

OrtsteilZentrale EntwicklungsaufgabeGemeinsamer Nutzen
BodmanWohnentwicklung Kapellenäcker, passende Wohnformen und Weiterentwicklung örtlicher EinrichtungenDauerwohnen ermöglichen und den Ortscharakter erhalten
LudwigshafenErneuerung des Unterdorfs, Neuordnung von Flächen und Verbesserung des WohnumfeldsOrtskern, Wohnangebot und vorhandene Verkehrsanbindung besser miteinander verbinden
Beide OrtsteileWohnnutzung steuern, Versorgung und Verbindungen sichernEine ganzjährig funktionierende Gemeinde erhalten

Die Verbindung liegt im Zusammenspiel von Wohnangebot und Ortsqualität. Wer kleinere Wohnungen für ältere Menschen schaffen will, muss ihre Erreichbarkeit und ihr Umfeld mitdenken. Wer Familien halten möchte, braucht neben Wohnraum verlässliche Betreuung und alltagstaugliche Wege. Zusätzliche Bebauung allein beantwortet diese Fragen nicht.

Auch der Tourismus gehört in diese Abwägung. Für 2025 wurden im Touristikausschuss 142.750 Übernachtungen berichtet. Ferienwohnungen haben dabei erhebliches Gewicht. Die Branche ist deshalb zugleich wirtschaftliche Grundlage und Teil der Konkurrenz um geeignete Flächen und Gebäude. Eine tragfähige Wohnpolitik muss diese Interessen miteinander ausgleichen.

Im Unterdorf wird die Finanzierung entscheidend

Für die Sanierungsmaßnahme „Unterdorf Ludwigshafen“ wurde der Förderantrag für 2026 abgelehnt. Am 20. Oktober stand ein erneuter Antrag im Gemeinderat. Die zugehörige Verwaltungsvorlage sieht einen erweiterten Gebietsumgriff vor und verbindet die Erneuerung mit Wohnen, Nahversorgung, Ortsbild und Infrastruktur.

Die Kosten- und Finanzierungsübersicht zum Antrag zeigt die Größenordnung: Für den Zeitraum 2027 bis 2036 wird ein erforderlicher Förderrahmen von rund 6,82 Millionen Euro angesetzt. Einschließlich zusätzlicher, nicht förderfähiger Kosten würde auf die Gemeinde insgesamt ein geschätzter Finanzierungsanteil von rund 4,06 Millionen Euro entfallen. Das sind Planungsansätze für mehrere Jahre; eine Förderzusage liegt damit noch nicht vor.

Die politische Herausforderung besteht darin, Förderung zu erhalten und gleichzeitig den eigenen Anteil tragen zu können. Eine Förderaufnahme würde die Umsetzung erleichtern. Sie würde die Entscheidung über Reihenfolge, Umfang und einzelne Maßnahmen aber nicht ersetzen.

Der Haushalt verlangt eine begründete Reihenfolge

Der Haushaltsplan 2026 sieht rund 3,37 Millionen Euro Investitionsauszahlungen und eine Million Euro Kreditaufnahme vor. Zugleich wird im ordentlichen Ergebnis ein Minus von 389.400 Euro geplant. Aus der laufenden Verwaltung wird dennoch ein Zahlungsmittelüberschuss von 969.000 Euro erwartet. Das beschreibt vorhandene Finanzierungsmöglichkeiten bei begrenztem Spielraum.

Zum Unterdorf kommen weitere Aufgaben: Kindergarten, Glasfaserausbau, Feuerwehrhaus sowie Wasser- und Kanalinfrastruktur werden in der aktuellen Sanierungsvorlage ausdrücklich als konkurrierende finanzielle Anforderungen genannt. Der Bürgermeister muss deshalb erklären können, weshalb ein Vorhaben jetzt vorgezogen wird und ein anderes später folgt.

Für die Akzeptanz zwischen Bodman und Ludwigshafen ist diese Begründung wesentlich. Sichtbare Projekte werden nach ihrem Nutzen beurteilt; notwendige Erhaltungsarbeiten fallen häufig erst auf, wenn sie ausbleiben. Eine überzeugende Prioritätensetzung muss beides verständlich machen.

Bürgermeister und Ratsmehrheit sind zwei verschiedene Grundlagen

Stolz gewann die Bürgermeisterwahl 2023 mit 72,07 Prozent. Seine Amtszeit reicht bis 2031. Im Gemeinderat prägen dagegen CDU und Freie Wählervereinigung Bodman-Ludwigshafen das Kräfteverhältnis. Die Freie Wählervereinigung ist als örtlicher Wählerverein organisiert. Stolz gehört im Kreistag der Fraktion der Freien Wähler an. Das verschafft ihm zusätzliche Kontakte auf Kreisebene, belegt aber keine geschlossene Mehrheit hinter jedem kommunalen Vorhaben.

Partei beziehungsweise ListeGemeinderatswahl 2019Gemeinderatswahl 2024
CDU43,13 % · 6 Sitze40,42 % · 6 Sitze
Freie Wählervereinigung31,18 % · 4 Sitze32,38 % · 5 Sitze
SPD11,18 % · 2 Sitze10,35 % · 1 Sitz
Grüne14,52 % · 2 Sitze9,23 % · 1 Sitz
ÖDPnicht angetreten7,62 % · 1 Sitz

Die aktuelle Zusammensetzung bestätigt diese Sitzverteilung. Zusammen mit dem stimmberechtigten Bürgermeister umfasst der Rat 15 Mitglieder. CDU und Freie Wähler verfügen gemeinsam über elf der 14 gewählten Mandate. Eine solche rechnerische Mehrheit ist allerdings kein Nachweis einer formellen Koalition.

Stolz besitzt damit eine starke persönliche Ausgangsposition. Für größere Vorhaben braucht er zugleich die Zusammenarbeit mit den beiden großen Ratsgruppen. Gerade bei langfristigen finanziellen Bindungen wird entscheidend, wie weit diese Zusammenarbeit trägt.

Wo politischer Druck entstehen kann

Die CDU kann mit sechs Mandaten erheblichen Einfluss auf Projektumfang, Kosten und Prioritäten nehmen. Alessandro Ribaudo (CDU), Stolz’ Gegenkandidat von 2023, bleibt im Rat vertreten. Bei der Vorstellung gemeinschaftlicher Wohnformen fragte er nach der Umsetzbarkeit angesichts hoher Grundstückspreise. Daniel Trisner (CDU) unterstrich zugleich die Notwendigkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das zeigt einen möglichen Streitpunkt innerhalb einer grundsätzlich anerkannten Aufgabe: zu welchen Kosten und unter welchen Bedingungen zusätzlicher Wohnraum entstehen kann.

Für die Freien Wähler liegt die Chance darin, ihre Stärke in beiden Ortsteilen in nachvollziehbare Entscheidungen zu übersetzen. SPD, Grüne und ÖDP können mit jeweils einem Sitz keine eigene Mehrheit bilden. Politisches Profil können sie dennoch gewinnen, wenn sie konkrete Lücken bei Bezahlbarkeit, Flächenverbrauch oder Projektfinanzierung benennen.

Die Wahlkette über Europa-, Bundestags- und Landtagswahl zeigt zudem ein breiteres Wählerpotenzial als die Ratsbesetzung. Die CDU blieb örtlich stark; Grüne und AfD erreichen auf anderen Ebenen Wählergruppen, die sich nicht entsprechend in Gemeinderatsmandaten abbilden. Der aktuelle Landestrend verstärkt insbesondere den Konkurrenzdruck durch die AfD. Daraus folgt aber noch keine örtlich tragfähige Mannschaft oder Bürgermeisterkandidatur.

Bis zur regulären Gemeinderatswahl 2029 bleibt Zeit für sichtbare Ergebnisse. Gelingt es, Wohnangebote und finanzierbare Ortsentwicklung voranzubringen, kann Stolz seine Rolle als verbindender Bürgermeister festigen. Bleiben Vorhaben lange in Vorbereitung oder wird ihre Verteilung als unausgewogen wahrgenommen, entstehen Ansatzpunkte für Kritik. Der entscheidende Prüfstein ist, ob aus den heutigen Planungen dauerhaft nutzbarer Wohnraum und erkennbare Verbesserungen werden.

Amtsfortführung und Nachfolge

Stolz führt die Gemeinde seit 2023; seine erste Amtszeit endet 2031. Bei seiner Kreistagskandidatur 2024 wurde er mit 31 Jahren vorgestellt. Eine altersbedingte Übergabesituation steht damit derzeit nicht im Vordergrund. Eine bestätigte erneute Kandidatur für 2031, eine Rückzugsankündigung oder eine öffentlich benannte Nachfolge ist zum Recherchestichtag nicht belegt. Zunächst prägen die Umsetzung der laufenden Vorhaben und die Gemeinderatswahl 2029 seine politische Ausgangslage.

Politischer Befund

Stolz hat gute Voraussetzungen, Bodman und Ludwigshafen über gemeinsame Alltagsinteressen zu verbinden. Dauerhaftes Wohnen ist dafür das stärkste Thema, weil es Familien, ältere Menschen, Betriebe und Ortsentwicklung zusammenführt. Seine Bewährungsprobe liegt in der Umsetzung und Finanzierung: Welche Vorhaben kommen voran, wem nutzen sie und weshalb haben sie Vorrang?

Beide Ortsteile gewinnen, wenn Wohnraum dauerhaft bewohnt wird, ihre Ortskerne funktionieren und Investitionen nachvollziehbar aufeinander folgen. Daran wird sich Stolz’ Amtsführung messen lassen müssen – und daran können auch seine politischen Mitbewerber ansetzen.

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